Nachdem wir in Cape Coral unsere Zelte abgebrochen haben, liegen jetzt noch zwei Tage Miami vor uns. Eigentlich zwei „verschenkte Tage“ – wir haben nicht mehr so viel Zeit, in Miami richtig etwas zu unternehmen. Und ich muss noch einige Vorbereitungen treffen für die Auswanderung. So habe ich noch nicht die Zolldokumente finalisiert. Um ehrlich zu sein: ich habe weder Zolldokumente, noch weiß ich, wie so etwas genau aussehen muss.

Wir wollten ein Umzugsunternehmen mit der Verschiffung unserer Sachen aus Deutschland und auch mit der Erstellung der notwendigen Zolldokumente beauftragen. Nur haben wir das noch nicht getan, weil unser Haus ja noch nicht verkauft ist. Die Möbel und sonstigen Sachen bleiben also erst einmal schön im Haus. Damit es bewohnter aussieht.

Abends, wenn der Kleine schläft, ziehe ich mich in die (total unterkühlte) Lobby des Hotels zurück. Schreibe B4-Formulare, mache eine Wertaufstellung aller Gegenstände, die wir später noch einführen wollen („Goods to follow“), überarbeite, verwerfe, trinke zwischendruch mein Bier leer und bin doch noch nicht zufrieden.

Das Hotel unseres ersten Tages in Miami, das Holiday Inn Miami West – Airport Aerea, hatte eigentlich recht gute Bewertungen auf Expedia, weswegen ich es für 2 Nächte gebucht habe. Allerdings schwant uns schon beim Bezug des Zimmers am Donnerstag, 21.02. nichts Gutes: das Hotel liegt direkt am Palmetto Expressway, einer 12-spurigen Hauptverkehrsader. Dazu kommt noch eine Ampelkreuzung in unmittelbarer Nähe.

Wer weiß, wie anfahrende Supertrucks in Amerika klingen, weiß, was wir diese Nacht durchgemacht haben. An Schlaf ist nicht zu denken und immer, wenn ein getuntes Auto mit explosionsartigem Knall und aufheulendem Motor an der Kreuzung anfährt, fallen wir fast aus dem Bett.

Wir beschließen am nächsten Morgen, das Hotel zu wechseln. Blöd nur, dass die Rate nicht stornierbar ist und wir uns deswegen noch einmal mit Expedia auseinander setzen müssen. Aber dieses Hotel kommt auf keinen Fall für eine weitere Nacht in Frage, da sind wir uns einig.

Wir buchen auf das Best Western On The Bay um und haben hier wenigstens ein Zimmer mit Blick auf das Wasser und einigermaßen Ruhe.

Den Kleinen bewundere ich. Wie der die ganzen Ortswechsel durchsteht. Da werden ja wir Erwachsenen bald verrückt. Den Nachmittag verbringen wir noch in North Miami Beach.

Genießen den Strand und die Sonne und atmen noch einmal karibisches Flair. Am Horizont sehen wir die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die ab Miami durch die Karibik pflügen.

Am 22.02. checke ich auch für unseren Flug ein. Flair Airlines – wenn man das googled sträuben sich einem die Haare, wegen der schlechten Bewertungen. Es ist aber die einzige Airline mit einem Direktflug Miami-Winnipeg. Wir hatten beschlossen, es zu riskieren. Der Check In lässt mich aber ratlos zurück. Zwar verkündet die Webseite, dass wir nun eingecheckt sind, aber drucken lassen sich unsere Boardingpässe nicht. Wir bekommen auch keine email-Bestätigung. Bleibt nur darauf zu hoffen, dass wir einfach Glück haben und weder der Check In ungültig noch der Flug massiv verspätet ist.

Am Abend des 22.02. habe ich dann endlich alles fertig gestellt: das B4-Zollformular. Die „Goods-to-follow“-Inventoryliste. Die „Disclosure of funds“ genannte Erklärung über unsere finanziellen Mittel. Alles in zweifacher Ausfertigung.

Die beste Ehefrau wartet treu im Hotelzimmer, bis ich zurück bin. Endlich schaffen wir es noch, eine halbe Stunde im lauen Abendwind zu sitzen und Abschied von Florida zu nehmen. Morgen geht es nach Kanada – in die Ungewißheit, ein neues Leben, neue Herausforderungen. Wir sind etwas aufgeregt.