Zeit und andere Dinge

Fast schäme ich mich ein bisschen. Einer der guten Vorsätze für dieses Jahr, nämlich etwas fleißiger meinen Blog zu schreiben, hat sich schon still und heimlich verabschiedet. Ist ja nicht so, dass ich keine Lust hätte. Aber Zeit, Zeit! Es liegen tausend Sachen auf meinem Schreibtisch, die erledigt werden wollen. Das kleine Kind will spielen. Hausarbeiten müssen angefertigt, Tests und Examen geschrieben und Einkäufe erledigt werden.

Das schlechte Gewissen hat mich einen Bogen um den Blog machen lassen. Aber heute, da kam eine email vom geliebt-verhassten Status-Tracker meiner Webseite. Ich sollte doch bitte prüfen, ob ich nicht mindestens 17 Plug-Ins aktualisieren könnte. Da die Webseite sonst sicherheitsanfällig werden würde. Das wollen wir ja nun nicht. Also habe ich um 11:50 pm meine fällige Ausarbeitung zum „Professional Code of Ethics“ fertiggestellt und gerade noch fristgemäß übermittelt.

Nun bin ich also seit langer Zeit wieder zurück. Es kann ja wohl nicht wahr sein, der letzte Blogbeitrag vom 02. Januar? Also, dann mal los und wieder ein Update posten.

Was ist in letzter Zeit passiert? Mein Studium ist vorangekommen, so schnell, dass es sich jetzt schon fast dem Ende zuneigt. Wir hatten einige Module, die vom Inhalt sehr interessant zu werden versprachen. Leider waren aber die Tutoren irgendwie nicht gut drauf. Winter-Blues, vielleicht. Einer war cholerisch und ist vor laufender Kamera laut geworden. Ein anderer war ein überehrgeiziger Zeitgenosse. Ein Grammatik- und Rechtschreibfetischist, der uns wohl irgendwas beweisen wollte. Was zu miserablen Bewertungen in der ersten schriftlichen Aufgabe bei ihm führte. Das war im Modul „Professional Business Communication“. Ein Anschreiben an eine Firma sollte erstellt werden. Ein nicht gesetztes Komma, eine fehlende Leerzeile zwischen Straßenname und Stadt in der Adresszeile und sonst weiter nichts, bescherten mir eine Bewertung von 80%. Andere traf es noch härter. Selbst manche native speaker erhielten nur 70% von ihm, darunter eine Mitstudentin, die im Hauptberuf Englisch- und Grammatiklehrerin ist.

Es kam, wie es kommen musste. Unsere Nachfrage nach objektiv nachvollziehbaren Bewertungsmaßstäben wurde als persönlicher Affront gewertet und es kam zum Eklat. Was wiederum zu einer kollektiven Beschwerdemail an das College führte, welches diese jedoch ziemlich lapidar abtat. Nun ja. Auch in Kanada wachsen keine Rosen in den Himmel. Erstaunlich aber, dass alle Studenten in den nächsten beiden Klausuren 100% erhielten. Macht aber wenig Sinn, wenn man kein ordentliches Feedback zu seinen Leistungen bekommt.

Nächste Woche beginnt das 10. und damit letzte Modul. Zum Glück haben wir nun noch mal einen Tutor, den wir schon vorher einmal hatten. Das wird eine Wohltat werden. Am 16. März ist das Studium dann beendet und die Vorbereitung auf das alles entscheidende „Entry-to-Practice-Exam“ beginnt.

Als ob das Studium nicht genug wäre, steht ja auch noch der Sprachtest an. Darüber hatte ich in einem vorherigen Post schon geschrieben. Ich habe mich Anfang Januar entschieden, doch wieder den IELTS Test zu machen, da ich mit dem Testformat am besten vertraut bin. Zwar habe ich auch kurz überlegt, ob ich nicht TOEFL oder CAEL als Test wähle, aber mich stört bei diesen Tests, dass ich für den Sprachtest in einen Computer reden muss. Da habe ich keine Lust drauf.

Irgendwie fühle ich mich durch den Sprachtest wieder zurück versetzt an den Beginn unserer Auswanderungspläne. Nur, dass diesmal das Gefühl vorherrscht, dass noch mehr auf dem Spiel steht. Vergeige ich den Sprachtest, muss ich meine Anmeldung zum „Entry-to-Practice-Exam“ in den Sommer verschieben, da mir zu einer Wiederholung des Tests vor Anmeldeschluss am 9. April für die Prüfung nicht mehr genug Zeit bleibt. Also, bitte kollektives Daumendrücken.

Mit Schneeschippen habe ich irgendwann im Januar aufgehört. Wir haben keinen Sidewalk vor unserem Haus und können so nicht zu $600 Strafe verdonnert werden, wenn wir nicht räumen. Und immer, wenn ich unseren Driveway freigeschaufelt habe, unter mühsamer Handarbeit, versteht sich, dann kam der große, böse Lastwagen und hat innerhalb von 1.5 sek unsere Einfahrt mit dem großen Pflug zu einem guten Teil wieder zugeschoben. Darauf hatte ich dann keine Lust mehr und das Wetter war so gnädig, es seit etwas 10 Tagen tagsüber immer wieder tauen zu lassen. Der Schnee erledigt sich jetzt so langsam von allein. Und manchmal riecht es draußen schon wie Frühling.

Was wir schon in Deutschland nicht gefeiert haben und auch hier nicht mitgemacht haben, war der Valentinstag. Ist ja auch wieder big commerce. Kauf für Deine Lieben. Wenn Du nichts kaufst, liebst Du Deine Frau/Freundin/Freund/Kind/Eltern/Katze/Hund oder was-weiß-ich-wen nicht. Gut, wenn die meinen. Dafür machen wir immer wieder herrliche Spaziergänge und trotz unserer Kaufunlust hat uns der Himmel heute Abend ein wunderschönes Schauspiel geschenkt. Und auch sonst lieben wir einfach die vielfältigen Blicke vor unserer Haustür.

4 Comments

  • Reisezottel

    Hallo Joe,
    ich hoffe, es geht Dir und Deiner Familie gut. Lange nichts mehr hier und im Florida Forum von Dir gehört.
    Alles Gute und viele Grüße aus good old Germany (wo gerade ein paar Verrückte protestieren, weil sie sich ihrer Grundrechte beraubt fühlen) vom Reisezottel

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    • Joe Post author

      Hallo Reisezottel,
      Danke, es geht uns gut. Ja, es ist schon viel zu lange her, dass ich was gepostet habe. Es ist so viel passiert in letzter Zeit.
      Ich werde in den nächsten Tagen ein oder mehrere Updates einstellen….
      Liebe Grüße aus BC, das sich so langsam wieder von den Wirren erholt.

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  • Luisa

    Hallo Joe,
    habe heute intensiv an dich denken muessen und wollte mal fragen wie es euch so geht. 🙂
    Viele Gruesse aus dem Norden,
    Luisa

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    • Joe Post author

      Hallo Luisa,
      Oh, es geht uns gut, danke der Nachfrage. Hoffe, es war ein positiver Anlass, um über mich nachzudenken. 🙂
      Ich bin so schreibfaul geworden, das tut mir leid. Ich verfolge die Kükenaufzucht bei Dir und denke jedesmal, ich muss auch wieder was schreiben. Kommt in den nächsten Tagen, hoffentlich.
      Grüße zurück, Joe

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