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Verschneite Straßen

Grenze Canada / USA

Sonnenuntergang I

Sonnenuntergang II

Sonnenuntergang III

Wie lebt es sich in Winkler? Das werde ich gerade sehr oft gefragt. Die Antwort ist so einfach wie trivial: es lebt sich gut hier. Auch, wenn wir uns an das Wetter, die Landschaft und auch die Kultur gewöhnen müssen. Sehr schwer fällt uns das jedoch nicht. Ok, vielleicht bis auf das Wetter. Und die Landschaft.

Aber ehrlich, ruhig ist das Leben hier, unaufgeregt. Die Leute sprechen viel mehr miteinander. Gerade weil vielleicht nicht so viel los ist hier in Winkler, wird das soziale Miteinander sehr gepflegt.

Das die Welt klein ist, bekamen wir eine Woche nach unserer Ankunft gleich zu spüren. Am Freitag, wir waren gerade 4 Tage im Ort, klingelt früh das Telefon. Der Bürgermeister (!) war dran. „Hast Du etwas Zeit und kommst mal in meinem Büro vorbei?“ Natürlich habe ich Zeit, wenn der Bürgermeister anruft. Wer sich jetzt wundert: sicher wird nicht jedem Neuankömmling dieser Stadt so ein Anruf zuteil. Wir kennen den Bürgermeister aber schon von unserer PNP-Bewerbung November 2016 in Wien, dort hatten wir ein Gespräch (vielleicht das entscheidende!) mit ihm. Und bei unserem Besuch im Mai 2017 hatte er sich tatsächlich die Zeit genommen, unseren Sohn und mich 2,5h durch die Stadt zu fahren, die wichtigsten Orte zu zeigen und einigen Leuten vorzustellen. Nun hatte es sich also zu ihm herumgesprochen, dass wir da waren.

Eine Umarmung zur Begrüßung. Ich bin etwas verdattert. So gut sind wir miteinander bekannt?! 🙂
Das Gespräch dauert eine Stunde, dreht sich um verschiedene Fragen des Einlebens und unter anderem auch um die Jobsituation. Ich weiß, dass bei der Stadt gerade eine Position als City Manager frei ist und spreche ihn direkt darauf an, ob sich eine Bewerbung lohnt? „Du kannst Dich bewerben und dann wird Deine Bewerbung behandelt wie jede andere auch“, meint er diplomatisch. Nur, zum Schluss unseres Gespräches betont er noch mehrfach, dass er alles tun würde, um uns in der Stadt zu halten. „Zu viel der Ehre“, denke ich ein wenig gerührt, „wer bin ich denn, dass er sich so um mich kümmert?“

Sonntags besuchen wir unseren ersten Gottesdienst. In Winkler hat man die Qual der Wahl: rund 50% der Einwohner gehören einer Gemeinde an. Es gibt 26 Kirchgemeinden. Der Bürgermeister hatte mit vielsagendem Nicken darauf hingewiesen, dass er immer Samstags die Gospel Mission Church besucht. Okay, denken wir uns. Wenn er am Samstag geht, gehen wir Sonntag morgen. Dann laufen wir ihm nicht gleich wieder in die Arme. Lieber etwas unter dem Radar bleiben.

Dinner for 4

Natürlich rennen wir ihm am Sonntag nach dem Gottesdienst direkt in die Arme. Wieder eine Umarmung zur Begrüßung (mir wird schon langsam unheimlich), dann reisst er seine Frau aus dem Gespräch und stellt uns ihr vor, als diejenigen, von denen er erzählt hat und die sie in Wien getroffen hätten. Klasse, also bei ihnen zu Hause waren wir auch schon Gesprächsthema. Und dann folgt die spontane Einladung an unsere gesamte Familie, doch gegen 5pm zum Dinner zu sich zu kommen. Okay…..6 Tage im Ort und schon Abendessen beim Bürgermeister? Das geht aber schnell.

Das Dinner ist ausgesprochen nett, wir bleiben bis 8pm, haben sehr gute Gespräche mit dem Bürgermeister und seiner Frau und haben nebenbei hervorragenden Fisch gegessen. Man merkt auch in den Kochkünsten die deutschen Wurzeln der beiden.

Was tun in Winkler?

Das fragen wir uns in den nächsten Tagen immer häufiger. Der Ort ist hübsch, keine Frage. Aber nach dem 3. Mal durchfahren hat man alles gesehen. Rausgehen ist auch keine gute Idee, bei Tageshöchsttemperaturen um die -16 bis -20 Grad. Also setzen wir uns an einem Nachmittag ins Auto und fahren in das ca. 50 km entfernte Pembina Valley. 10 km von Winkler entfernt liegt Morden und dahinter gibt es doch tatsächlich Bewegung in der flachen Prairie: die Straße steigt unmittelbar an. Am Horizont kann man so etwas wie leichte Hügelketten erahnen. Kaum zu glauben, dass es dort ein richtig tiefes Tal gibt, durch das der Pembina River fließt. Im Sommer zumindest. 😉 2017 haben wir die Gegend schon mal erkundet. Nun bin ich gespannt, was die Familie sagt.

Aber wir schaffen es nicht bis in den gleichnamigen National Park. Die Straßen sind einfach noch zu sehr mit Schnee überzogen und ich handle grob fahrlässig, als ich mit Sprit für nur noch 100 km, ohne Winterdecken, Kerzen, Schokolade, Wasser und zusätzliche Rettungsmittel in Richtung US-Grenze fahre. Es kreuzen immer weniger Autos unseren Weg und bald sind wir ganz allein auf weiter (weißer) Flur. Die Straße ist zum Glück noch geräumt, weil sie bis zum US-Grenzübergang führt. Wir bleiben auch auf ihr, um nicht irgendwo in der Pampa in einer Schneewehe stecken zu bleiben.

Was wir erleben, ist ein fantastischer Sonnenuntergang. Die Bilder geben die Glut des Himmels nur bedingt wieder. So bleiben wir in der Stille der Prairie stehen und saugen die Bilder in uns auf. Welch ein Kontrast zu Deutschland: Weite, soweit man blicken kann. Es lebt sich gut in Winkler.