//Weiter, weiter, immer weiter

Weiter, weiter, immer weiter

Von |2018-12-02T01:01:41+00:00Dezember 2nd, 2018|06: Vorbereitungen auf den Abflug|0 Kommentare

Es fühlt sich an wie im Mühlrad. Weiter und weiter dreht es sich, ohne aufzuhören. So dreht sich auch unser Leben. Der Auszug aus unserem Haus nimmt konkrete Formen an. Raum für Raum wird immer wieder durchgegangen und immer noch findet man etwas, das man am Ende nicht mitnehmen wird. Unsere Verwandschaft bekommt momentan tausende Dinge angeboten, für die wir keine Verwendung (mehr) haben. Besonders vor dem Hintergrund, dass wir möglichst keinen 40 Fuß Container mit unseren Sachen befüllen wollen, ja, nicht einmal ein 20 Fuß Container soll es werden.

Intensiv sind zur Zeit die Begegnungen oder besser, täglichen Treffen, mit unseren Eltern. Als ob sie die Zeit mit uns (und wir anders herum natürlich auch mit ihnen) noch einmal besonders festhalten und spüren wollen. Der Tag der (vorläufigen) Trennung rückt immer näher. Besonders der kleine Wichtel macht es uns allen nicht leicht, denn er zeigt schon sehr deutlich seine Liebe zu den Großeltern und die verwöhnen ihn nach Strich und Faden. Wir lassen sie gewähren. Wir sind schon altersweise geworden und zu viel Liebe für ein Kind gibt es nicht. Aber es bricht uns auch das Herz und wenn es etwas gibt, was wir uns wünschen könnten, dann dass, dass unsere Eltern mitkämen. Aber, wir sind alle tapfer.

Den Tag unserer Abreise haben wir auf den 15.01.2019 festgesetzt. Ganz willkürlich. Es hätte auch der 15.02. oder 08.03. sein können. Passen wird dieser Termin nie. Wir haben uns aber überlegt, dass wir 6 Wochen in Florida verbringen und dann nicht zu spät im Jahr in Kanada einreisen wollen. So bekommen wir den Frühling und den Sommer voll mit und haben bis zum Herbst vielleicht schon einige Dinge geregelt. Außerdem wollen wir die wärmere Jahreszeit auch zum Reisen durch die neue Heimat nutzen.

Es geht weiter: Hausverkauf gestartet

Das Haus ist seit heute in den einschlägigen Internetportalen zum Verkauf eingestellt. Dem ging – wie sollte es anders sein – eine Zeit der Irrungen und Wirrungen voraus. In Erwartung des einträglichen Geschäftes hatten der Makler und seine – uns betreuende – Kollegin nämlich am Donnerstag einen Schnellschuss gestartet und das Haus schon mal im Internet angeboten. Die Art und Weise, Sach-, Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie ein lieblos dahergerotztes Exposé ließen mir die Haare zu Berge stehen. So dass ich die Veröffentlichung umgehend stoppen ließ. Die folgende Nacht war eine schlaflose. Unter Zuhilfenahme meiner rudimentären Marketingkenntnisse verfasste ich ein neues Exposé. Übermittelte es am Freitag morgen. Am Freitag Nachmittag eine Sprachnachricht über WhatsApp: „Wir nehmen Ihr Exposé jetzt so, wie Sie es uns geschickt haben. Sie haben da so viel Mühe reingesteckt“.

Äh…na klar. Wozu habe ich einen Makler beauftragt? Damit ich seine Arbeit erledige?

Egal. Das Haus ist jetzt auf dem Markt. Wir sind auf die ersten Reaktionen gespannt. Die größte Angst ist, dass es vielleicht unter Wert angeboten wird. Aber andererseits: wir müssen es ja auch nicht zu jedem Preis verkaufen.

Weihnachten naht

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Die Sonne wärmt den Nebel auf

Während wir uns also durch unser Leben wursteln, hat der Winter klammheimlich Einzug gehalten. Nicht mit Schnee. Aber mit einem Blitzeis, so etwas hatten wir lange nicht mehr. Die knapp 200m zu unseren Eltern legten wir gestern mehr schlitternd als gehend zurück. Auf dem Heimweg nötigte uns das sanfte Gefälle zu akrobatischen Verrenkungen, um einen Sturz zu vermeiden. Die beste Tochter kam mit der Straßenbahn nicht mehr nach Hause – die Bahn schaffte wegen des Eises die Steigung zu unserem Wohnviertel einfach nicht mehr. Heute morgen formte der Winter wunderschöne Eiszapfen am Dach des Hauses und der Garage. Hecken und Sträucher waren von einem schimmernden Eispanzer umgeben. Die helle Sonne tauchte die nebelgeschwängerte Landschaft in ein fast surreales Licht.

Kaum zu glauben, das bald Weihnachten ist. Der erste Stollen ist schon auf dem Teller und es fühlt sich wie gestern an, seit wir den letzten angeschnitten haben. Wie dieses Weihnachten und Silvester wird? Keine Ahnung. Ich liebe diese Zeit sowieso nicht. Zu viel Kommerz. Zu viel Lärm, wo innere Einkehr sein sollte. Wie jedes Jahr werden wieder tausende Eltern das schlechte Gewissen, zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben, in Geschenkeorgien ertränken. Wie jedes Jahr wieder werden uns die Werbeprospekte suggerieren, dass unser Leben sinnlos sei, wenn wir nicht ganz unbedingt DIESES oder JENES Sonderangebot kauften. Wie jedes Jahr wieder werden sich zu Silvester Millionen von Menschen die Trauer über ein weiteres nutzlos verflossenes Jahr schön trinken und anschließend Millionen in den Himmel blasen, als ob es kein Morgen gäbe. Die Besinnung weicht der Sinnlosigkeit.

Ich denke, wir werden dieses Weihnachts- und Neujahrsfest noch intensiver miteinander teilen. Um den Abschied nicht zu schwer werden zu lassen und um das Beisammensein noch einmal richtig zu genießen. Wer weiß, was nächstes Jahr sein wird?

 

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