Weihnachten

Weihnachten naht und wie immer um diese Jahreszeit geht mir der Rummel mächtig auf die Nerven. Das Fest ist hier in Canada genauso überladen und kommerzialisiert wie anderswo auch. „Last Christmas“ wird in Endlosschleife gespielt – in den Geschäften und im Radio. Es fühlt sich an, als ob Weihnachten in einem vollgefüllten Waschbecken stattfindet: irgendwer zieht Ende Oktober den Stöpsel und dann drehen sich die restlichen Wochen bis zum Jahresende in einem immer schneller drehenden Strudel. Bis die letzten Tage mit letzter Kraft durch den Abfluss tropfen und das Jahr mit einem sanften Gurgeln den Geist aufgibt.

Und doch ist dieses Jahr Weihnachten anders. Das erste Weihnachtsfest in unserer neuen Heimat. Dazu die Aussichten auf „White Christmas“. Endlich mal wieder. Nach langen Jahren mit Regen und eher frühlingshaften Temperaturen in Deutschland.
Ich fahre durch die Strassen und staune. Kaum zu glauben, dass wir plötzlich das erleben, was wir bisher nur aus Filmen kannten. Die Häuser sind kitschig-liebevoll geschmückt. Manche Strassenzüge sehen aus, als ob die Nachbarn einen Wettbewerb um das am besten illuminierte Haus ausfechten. Bunter, heller, noch mehr Dekoration. Man muss die vielen bunten Lampen nicht besonders mögen, aber nett sieht es allemal aus. Die Leute geben sich die allergrösste Mühe, das muss man ihnen lassen. Am meisten gefällt mir jedoch die gelassene Freundlichkeit der Menschen. Kein Laden, in dem einem beim Verlassen nicht „Merry Christmas“ gewünscht wird. Auf der Strasse grüsst man sich freundlich. Manche Autos haben vorne eine rote Nase und ein Rentiergeweih an den Scheiben. Die Leute tragen Weihnachtsmannmützen oder sind in den Farben vom Grinch gekleidet. Alle machen irgendwie mit und haben ihren Spass dabei.

Winter Wonderland

Unterdessen hat sich die Landschaft in einen weichen Pelz aus Schnee gehüllt. Auch in dieser Verfassung ist unsere neue Heimat atemberaubend schön. Kein Tag, an dem wir unser Hier-Sein nicht dankbar genießen. Die Luft ist klar und rein, wir schauen auf die Berge und die Seen und freuen uns immer wieder über die Schönheit und Erhabenheit der Natur. Hätte es in den letzten Tagen bei leichten Plusgraden nicht geregnet, hätten wir wahrscheinlich schon Schneehöhen von 80cm oder mehr. So sind es „nur“ etwa 30-40cm, aber auch das sieht prachtvoll aus.

Nun werden wir die Feiertage nutzen, um uns ein bisschen vom Stress der vergangenen Wochen auszuruhen. Vor allem genießen wir, dass ich jetzt zwei Wochen keine Vorlesungen haben werde und die Tage daher nicht so begrenzt sind. Den Wermutstropfen, dass wir zum ersten Mal in unserem Leben nicht als vollständige Familie Weihnachten feiern können, werden wir zu uns nehmen müssen. Zum Glück gibt es Skype und WhatsApp, so dass wir unsere Söhne und Eltern wenigstens per Videocall sehen können.

Wir wünschen allen Lesern unseres Blogs eine frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und schöne Feiertage.

2 Comments

  • fcmfanswr

    So eine schöne Winterlandschaft vermisse ich auch.
    Hier im Harz hatten wir ja früher auch mal solche Winter…
    Vielleicht muss ich BC mal im Winter besuchen.

    Wünsche ein entspanntes 2020!

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  • Joe Post author

    Hallo fcmfanswr,
    Ja, der Winter hier hat wirklich was. Kenn ich in Deutschland auch nur noch von früher her. Und klar, komm im Winter nach BC. Wir haben tolle Skigebiete hier.
    VG, Joe

    Reply

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