Warum auswandern?

Von |2017-03-21T19:59:16+00:00Oktober 11th, 2015|01: am Anfang steht die Idee|0 Kommentare

Nein. Daran hatte ich nicht gedacht. Auswandern? Warum auswandern?

Rückblick: Hin…

Ich bin schon einmal ausgewandert. Nun, mancher wird sagen, das zählt nicht. Es ging doch nur von einem deutschen Staat in den anderen. Damals, August ’89, entschied ich relativ spontan, mich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom Acker zu machen. Oder „nach drieben zu machen“, wie der Sachse sagen würde. Man schrieb das Jahr 1989, die DDR bereitete sich auf den 40. Jahrestag vor und Gorbatschow sprach seine weisen Worte. Und viele der Bürger im ehemaligen „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ hatten es satt. Politische Gängelung, 5-Jahrespläne samt Übererfüllung, Bespitzelung und Hurra-Medien – alles andere auf der Welt wirkte verlockender. Zumal wir damals nicht viel von der Welt gesehen hatten.

Man munkelte, dass man in Ungarn über die grüne Grenze nach Österreich kam. Das war ziemlich unsicher, weil, der eine erzählte dies, der andere das, alle waren aufgeregt. Es war ein regelrechtes Durcheinander und verlangte daher eine schnelle Entscheidung. Ich will deshalb nicht zu lange ausholen, denn die Geschichte meiner Flucht in „den Westen“ ist ein Kapitel für sich. Sie gelang jedenfalls und bildete die Grundlage für eine ganz normale bundesdeutsche Karriere – Studium, Heirat, Job, Kinder.

…und wieder zurück

16 Jahre sind eine lange Zeit und so lange brauchte ich, bis ich wieder zurück in den „wilden Osten“ kam. Natürlich war der Beruf schuld, aber auch eine gewisse Sehnsucht, wieder an die lieb gewordenen Stätten der Jugend zurück zu kehren. Die Nachricht vom Verkauf der Firma, in welcher ich zu dieser Zeit arbeitete, erschütterte mich deshalb gar nicht so sehr. Dadurch ergab sich die Möglichkeit zu wechseln und eröffnete mir die Gelegenheit, mehr mit und für Menschen zu arbeiten. Was ich bis heute als Manager einer Abteilung mit vielen Mitarbeitern immer noch gerne tue. Und mir nebenbei auch den Aufbau einer gesicherten Existenz ermöglichte – nur, dass das eben nicht alles ist, was im Leben zählt.

So wird man älter und reifer, man beobachtet seine Umwelt genauer und das, was passiert. Die Kinder fordern Aufmerksamkeit und mit der Zeit kommen Fragen auf. Wie werde ich einmal leben, wenn die Kids aus dem Haus sind? Möchte ich ewig im Hamsterrad, das von innen wie eine Karriereleiter aussieht, rennen? Ist dies das Leben, welches ich mir erträumt habe? Und ist dies das Land, in dem ich bis zum Ende meiner Tage bleiben kann?

Warum auswandern?

Warum also auswandern, wenn man rein äußerlich doch alles hat? Lieber Leser, ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie ich diese Frage am besten beantworte. Einige Textentwürfe haben nicht überlebt. Zu kompliziert, zu vielschichtig ist die Frage, um darauf einfach zu antworten. Und jeder beantwortet sie auch für sich selber. Letzten Endes habe ich ein Gedicht des von mir verehrten Erich Kästner gefunden. Das beschreibt es vortrefflich:

Die Zeit ist viel zu groß, so groß ist sie.
Sie wächst zu rasch. Es wird ihr schlecht bekommen.
Man nimmt ihr täglich Maß und denkt beklommen:
So groß wie heute war die Zeit noch nie.

Sie wuchs. Sie wächst. Schon geht sie aus den Fugen.
Was tut der Mensch dagegen? Er ist gut.
Rings in den Wasserköpfen steigt die Flut.
Und Ebbe wird es im Gehirn der Klugen.

Der Optimistfink schlägt im Blätterwald.
Die guten Leute, die ihm Futter gaben,
sind glücklich, daß sie einen Vogel haben.
Der Zukunft werden sacht die Füße kalt.

Wer warnen will, den straft man mit Verachtung.
Die Dummheit wurde zur Epidemie.
So groß wie heute war die Zeit noch nie.
Ein Volk versinkt in geistiger Umnachtung.

 

Wie wahr. „Wacht auf!“, möchte man rufen. Wie ich schon geschrieben habe, Lilly ist sehr feinfühlig. Und sie sagt: „Das gibt nix Gutes, weder hier in Deutschland noch in Europa insgesamt“. Ich denke, sie hat recht. Wir wollen und können den Entwicklungen im gesamteuropäischen Raum im Großen und in Deutschland im Speziellen nicht folgen. Weil wir sie nicht mit unseren Werten vereinbaren können. 

Ich habe noch einen weiteren Artikel gefunden, der unsere Motivation zur Auswanderung sehr treffend zusammenfasst. Der beschreibt es sehr genau. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass dies unsere Sicht der Dinge ist. Alle anderen Meinungen respektieren wir, genau so, wie wir unsere Meinung auch respektiert sehen möchten. Daher bitte an dieser Stelle keine politische Grundsatzdiskussion. 🙂

 

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