Warterei

Am meisten nervt mich im Moment die ganze Warterei. Das ist nicht Fisch noch Fleisch. Man kann nichts lange im Voraus planen, da man ja schon im Hinterkopf hat, dass man dann eventuell nicht mehr in Deutschland sein wird. Bloß, wann ist das denn?

Die eine Umzugsfirma rennt mir im Rhythmus von 2 Tagen die Bude ein. Ob sie denn noch etwas an Ihrem Angebot erläutern müssten? Wenn ich jetzt buche, bekäme ich 2% Rabatt. Oder ob wir das Angebot noch mal durchgehen sollten? Nichts von dem. Ich kann einfach nicht planen, versteht Ihr das nicht? Gut, ich könnte alles auf eine Karte setzen und irgendeinen Termin im September für den Umzug fix machen. Dann habe ich aber unter Umständen das Haus nicht verkauft, den Job nicht gekündigt, die Abmeldungen nicht durchgeführt usw. Und im schlimmsten Falle habe ich noch nicht mal die PR Unterlagen. Das ist wirklich verflixt.

Unterdessen erledigen sich manche Dinge im Selbstlauf. Ich bin ja gerade in Elternzeit und just in diesem Augenblick beschließt unsere Firma ein großes Umstrukturierungsprogramm. Die Jobangst geht um. Die Stimmung sinkt in den Keller. Mir tun meine Mitarbeiter leid, die hier wenig Perspektive sehen. Ich habe ja eine (wenn es doch mal klar wäre, wann!). Ich hänge eigentlich sehr an meinem Job. Niemals hätte ich jedoch gedacht, dass man mit wenigen Wochen Auszeit jobmässig so schnell in die Vergessenheit geschickt wird.

Natürlich ist jeder ersetzbar, das weiß ich. Aber dass hier gerade absolute Funkstille herrscht, was die Kommunikation mit meiner Firma anbetrifft, schmerzt doch schon. Ich habe jetzt über Umwege erfahren, dass einer meiner wichtigsten Mitarbeiter gekündigt hat. Andere sind wohl auf dem Sprung. Nicht, dass mich jemand informiert hätte. Ich würde nach der Elternzeit zurück kommen und mir fehlten auf einmal die besten Leute. Schöne Bescherung. Vielleicht ist es aber auch eine gute Lektion zum Lernen: sich selber nicht so wichtig zu nehmen und das Ego zurückzuschrauben. Und am Ende macht es mir das irgendwie auch leichter loszulassen.