Und wieder ist ein Jahr vorüber….

Wahnsinn, wie schnell ein Jahr verfliegt. Unweigerlich, wie jedes Jahr um diese Zeit, kommen die (leicht wehmütigen) Gedanken. Was hat uns 2018 gebracht? Was war gut, was nicht so sehr? Was davon will ich unbedingt in meinen Erinnerungen behalten?

Ein Jahr zu verabschieden heißt für mich immer auch, bewusst loszulassen. Man möchte nicht wirklich wahrhaben, dass mit jedem Jahresabschluss auch ein Stück des eigenen Lebens zur Seite gelegt wird. Fast wie ein großer, unsichtbarer Count down.

Die TOP-Themen unseres Jahres:

1. Nichts ist planbar

Wenn man sich, so wie wir, auf eine Reise in das Unbekannte wagt, dann muss man damit rechnen, dass viele Dinge nicht planbar sind. Das Leben geht fast immer seinen eigenen Weg. Hätten wir gedacht, dass ich dieses Jahr kaum noch arbeiten werde? Dass sich meine Elternzeit von 2 auf 7 Monate ausdehnt? Oder, dass wir nach dem Medical noch fast 7 Monate warten mussten, um den Bescheid der Einwanderungsbehörde zu bekommen? Und dass wir Ende des Jahres immer noch in Deutschland sind, obwohl alle damit gerechnet haben, dass wir Weihnachten in Kanada verbringen?

Nichts kam so, wie wir es uns ausgemalt hatten. Man kann manche Sachen weder beschleunigen noch verlangsamen. Eine Krankheit kommt und geht, wie sie will. Auch diese Erfahrung haben wir in diesem Jahr gemacht.

2. Raus aus dem Haus

Seit längerer Zeit beobachten wir bei uns ein Phänomen. Ich habe es das „Haus-Syndrom“ genannt. Und das geht so: Wenn Du zu Hause bist, bist Du gefangen. Immer gibt es etwas aufzuräumen, wegzuwischen, zu waschen, zu putzen, zu reparieren. Mit einem Haus lebt es sich nicht schlecht, aber Du bist Gefangener. Und wenn es das Rasenmähen nach Feierabend ist. 2h, damit alles wieder wie geleckt aussieht. Die Nachbarn mähen ja auch immer.

Die Gefangenheit macht sich auch im Kopf bemerkbar. Das „Haus-Syndrom“ sorgt dafür, dass Du zu Hause nur funktionierst. Damit haben wir dieses Jahr mehr oder weniger konsequent Schluss gemacht. „Raus aus dem Haus“ wurde zum geflügelten Wort, denn nur draußen können wir uns bei Wind und Wetter den Kopf frei pusten lassen.

Probiert es mal aus. Es kostet etwas Überwindung, die Küche erst am Abend aufzuräumen und stattdessen eine Stunde Fahrrad zu fahren. Aber es hat etwas herrlich Befreiendes.

3. Simplify your live

Einen besonders positiven Nebeneffekt unserer Auswanderung stellt die bewusste Reduzierung unseres Besitzes dar. Nach dem Medical begannen wir, unser Haus systematisch auf überflüssige Dinge zu prüfen. Alles, was nicht wirklich notwendig war oder mehr als ein Jahr nicht angefasst wurde, kam entweder zum Verkauf, wurde verschenkt oder in der Familie weitergegeben.

Das hat zwei schöne Seiten: a) macht man anderen damit eine Freude und b) bekommt man ein ganz tolles Gefühl, wenn so viel unnötiger Ballast nicht mehr behindert. Seit ich beispielsweise meine Garage einem Großputz unterzogen habe, gehe ich mit einem Dauergrinsen hinein. Sie ist groß, blendend weiß gestrichen und bis auf ein paar wenige Dinge – leer.

Jetzt, zum Hausverkauf, sind wir so weit, dass wir nur noch das wirklich Nötige zu Hause haben. So, dass das Haus noch bewohnt aussieht. Aber all der kleine Nippes, die Figürchen, Keramiken, das tausendste Paar Schuhe, der unnütze Tand, gehören der Vergangenheit an. Wir investieren lieber in Erinnerungen als in Dinge.

4. Schmeiß die Glotze weg

Zugegeben, das ist keine taufrische Erkenntnis dieses Jahres. Aber sie ist so wichtig, dass ich sie hier noch mal aufschreibe. Unsere Lebensqualität hat sich so enorm verbessert, seit wir nicht mehr fernsehen. Und das sind jetzt schon ein paar Jahre. Was hat uns bewogen, der Glotze den Laufpass zu geben?

  • Fernsehen will Dich manipulieren. Vielleicht habt Ihr Euch ja mal gefragt, welche geheime Botschaft uns das Fernsehen verkaufen will? Richtig. Kaufen! Kaufe Dir teuren Schmuck, Uhren, Parfüm, Autos…. die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Erst dann zählst Du was in der Gesellschaft. Ist Dein Ego befriedigt. Fernsehen spielt permanent mit den bei jedem Menschen vorhandenen Sehnsüchten. Klar, dass sich das bei Milliarden Menschen nicht bei allen erfüllen lässt. Was bleibt, ist die (ungestillte) Begierde nach Status, Ansehen, Besitz. Frage: Wenn Du Deinen Kaufgelüsten nachgegeben hast – ging es Dir danach wirklich besser? Und für wie lange?
  • Fernsehen erzählt die bösen und schmutzigen Geschichten. Wieviel Morde, kriminelle Handlungen, negativ gefärbte Nachrichten, Vorurteile, Nachrede, Verleumdung flimmern tagtäglich über die Mattscheibe? Warum sind die glückliche Geburt von zwanzig Kälbern oder die erfolgreiche Rettung einer Katze aus einem Baum keinen müden Pfifferling in den Nachrichten wert? Fernsehen nutzt das Unglück und das Negative, um Menschen mit kalkuliertem Schaudern an sich zu binden. Daheim im Sessel gruselt es sich leichter, gell? Fernsehen beeinflusst die Menschen, nur das Negative zu sehen. Weil man das negative Gefühl nicht gerne hat, kauft man sich was Schönes. Ziel erreicht.
  • Du zahlst einen Preis, der verdammt viel teurer ist, als die GEZ- Zwangsabgabe. Du zahlst mit DEINER Zeit. Menschen in Deutschland verbringen im Schnitt 221 Minuten täglich vor dem Fernseher*. Das sind etwas mehr als 3,5 h. Rechnen wir mal weiter: In der Woche 24, 5 Stunden. Im Monat 98 Stunden. Im Jahr 1176h oder 49 Tage! Auf ein Durchschnittsleben von 70 Jahren gerechnet sitzen wir also 3420 Tage = 9,3 Jahre sinnlos vor dem Fernseher! Nur, um sich den ewig gleichen Schrott der „schönen“ Welt reinzuziehen. Was könnte man in dieser Zeit alles Sinnvolles anstellen? Sich den Kindern und der Familie widmen. Reisen. Bücher lesen. Eine neue Sprache lernen. Gutes tun. Das Verschwommene hinter dem Bildschirm nennt man Leben!
  • Fernsehen entspannt NICHT. Im Gegenteil. All die vielen Informationen, die Dein Gehirn zusätzlich zu den bereits vielen Eindrücken des Tages verarbeiten muss, lassen Dir keine Ruhe. Geh einmal am Abend spazieren und schau in die vom Fernsehen erleuchteten Fenster. Fällt Dir auf, wie ENORM schnell die Bildwechselfolge ist? All das strapaziert. Und die Schlaflabore und Psychotherapeutenpraxen sind voll von übermässig gestressten Menschen.
  • Fernsehen raubt Dir Deinen Verstand. Das seichte Einlullen ist für Deinen Verstand Gift. Du erlebst es ja nicht. Du konsumierst nur nach dem Motto „links rein, rechts raus“. Am Deutlichsten wird das, wenn man Leute nach 4h Fernsehkonsum nach einer Zusammenfassung des Gesehenen fragt. Sie werden keine Details wissen…

Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen. Probiert doch mal als guten Vorsatz für das neue Jahr einen Fernsehverzicht aus. Es wird sich lohnen.

5. Du bist nicht unersetzbar

Was sehnen sich die Menschen, um im Job ANERKANNT zu werden. Die ganze Jobmaschinerie ist darauf ausgerichtet. Leistest Du was, bist Du was. Wer also im Job nichts IST, leistet nichts?

Die gesellschaftliche Konditionierung lautet so: arbeite hart – steige auf der Karriereleiter auf – gewinne Macht, Einfluß und Geld – dann hast Du es geschafft.

Das ist eine Lüge! Du hast es nach den herrschenden Maßstäben niemals geschafft. Denn selbst wenn Du Vorstand eines DAX-Unternehmens bist – es gibt IMMER jemanden, der entweder erfolgreicher oder mächtiger ist als Du. Beispiel? Ferdinand Piech von VW und sein Cousin Wendelin Wiedeking von Porsche. Machtspiele der Alphatiere. Es geht nur noch um das Gewinnen – auf Biegen und Brechen.

Du kannst im Job sehr erfolgreich sein. Kommt aber etwas dazwischen, was das fein justierte Gefüge Deines Arbeitgebers durcheinander bringt, wie zum Beispiel Krankheit, Sabbatical oder sonst ein Grund, der Dir andere Dinge als die Arbeit wichtiger erscheinen lässt, bist Du SOFORT raus.

Ich weiß, worüber ich rede, denn ich habe das erlebt. Ich hege keinen Groll deswegen – so ist das System. Aber genau das sollte uns vor Augen halten, dass man die sogenannte „Work-Life-Balance“ dringend zugunsten des „Life“ nachjustieren muss. Dein Arbeitgeber hat reges Interesse daran, so viel wie möglich von Deiner Arbeitskraft an sich zu binden (auch, wenn er Dich nur kümmerlich dafür bezahlt). Denke daran: neue Arbeitswelten, Kicker im Pausenraum, Homeoffice auch nach 20:00 Uhr, Kinderbetreuung im Betrieb, Wohlfühlseminare, After-Work-Parties, teambildende Maßnahmen usw. – all das nutzt nur Deinem Arbeitgeber! Dich hält es von dem Wichtigsten in Deinem Leben, nämlich Deiner Familie, ab! Und alle finden das ach so supertoll, wenn sie freiwillig noch länger in der Firma bleiben. Maßstab: Wenn Dein Chef sich brüstet, am Freitagabend bis 18:30 Uhr in der Firma zu sein (und das selbstverständlich bei allen anderen auch erwartet), dann ist er entweder ohne Familie oder ein elender Karrierist.

6. Das Leben ist schön

Unser Leben hat sich dieses Jahr komplett umgekrempelt. An die Stelle des „ewig Normalen“ („das macht man doch so“) ist auf einmal das Hinterfragen getreten. Nichts, aber auch gar nichts gibt es, was nicht auf den Prüfstand kommt. Schließlich wollen wir unser Leben auch neu ausrichten. Wir wissen nicht, wieviel Zeit zum Leben uns noch bleibt. Aber wir wollen sie nutzen.

Unser kleiner Sohn ist in jeder Hinsicht ein Geschenk. Vor allem, weil er uns lehrt, noch einmal GENAU hinzuschauen und die Schönheit des Lebens neu zu begreifen. Was macht das Leben denn aus? Entdecken. Staunen. Begreifen. Sich an Kleinigkeiten zu erfreuen. Über Fähigkeiten das eigene Erleben zu erweitern. Wir Erwachsene sind so rational….

7. Behalte Deinen Glauben

Jeder Mensch glaubt an etwas. An sich, an das Geld, die Macht, an einen Gott, das universelle Bewusstsein, an die Wissenschaft – was auch immer es sei. Es macht das Menschsein aus, dass sich jedes Individuum einem gewissen Glauben hingibt.

Für uns ist es der Glaube an den christlichen Gott, der uns dieses Jahr getragen hat. Das mag man befremdlich finden, ist es aber nicht. Denn ein Nachbar glaubt an seine eigene Stärke, die ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. Und ein anderer Nachbar ist Buddhist und natürlich sei es ihm zugestanden. Ein Freund von uns ist Muslim. Und ein weiterer Freund überzeugter Atheist.

Am Ende sind wir alles Menschen, die für sich versuchen, die relativ kurze Lebensspanne zum Positiven zu gestalten. „Jeder soll nach seiner façon selig werden“ , schrieb Friedrich II. , König von Preußen. Und darin sehen wir am Ende dieses Jahres einen wichtigen Impuls. Lasst die Menschen ihr Leben gestalten, ein jeder so, wie er es mag. Dann ist uns allen geholfen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein frohes und erfolgreiches neues Jahr.

*Quelle: de.statista.com

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