… und raus bist Du.

Von |2018-09-13T23:50:31+00:00September 13th, 2018|05: Antragsbearbeitung CIC|4 Kommentare

Es gibt ein Spiel in unserer Gesellschaft und das geht so: pass Dich an, verhalte Dich, wie alle sich verhalten, benutze unsere Sprache, Insignien und unser Auftreten und ecke einfach nicht an. Dann lassen wir Dich weiter bei uns mitspielen. Oder Du bist unangepasst, lebst Dein Leben nach Deinen Vorstellungen, sagst ohne Scheu, was Du denkst und schlimmer noch: Du handelst danach. Dann bist Du raus. Vogelfrei. Kein ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft mehr.

Wenn man es ganz nüchtern betrachtet, habe ich gegen den Kodex verstoßen. Ich habe mit einer einzigen Nachricht, nämlich meiner Kündigung, einige Leute aus ihrer Komfortzone gekickt. Hier ganz besonders meinen Chef, jetzt Ex-Chef. Plötzlich wird es für ihn unbequem, denn jetzt müssen nicht nur Massnahmen ergriffen werden, um die entstehende Lücke möglichst nicht zu groß werden zu lassen. Sondern, und das ist anscheinend weitaus schlimmer, es werden auf einmal unangenehme Fragen gestellt. Dummerweise kommen die Fragen auch noch von einer Etage höher.

Denn, sind wir mal ehrlich, eine Kündigung von einem MItarbeiter kann man noch als „normale Fluktuation“ oder „Einzelfall“ abtun. Hier geht aber eine Führungskraft und das ist ein mittelschweres Beben. Nicht anders ist zu erklären, dass sich vom vergangenen Montag bis gestern der Wind gedreht hat und der Ton ein ganz anderer, rauher geworden ist.

Bereits am Dienstag wurde meine Abteilung von meinem Chef über meine Kündigung informiert. Schon hier wurde einer Immensen persönlichen Enttäuschung Ausdruck verliehen. Als ob ich meinen Chef damit persönlich angegriffen hätte.

Charakter ist das, was vom Menschen übrig bleibt, wenn es ungemütlich wird

Nun verstehe ich, dass man enttäuscht sein kann. Aber warum muss man das persönlich nehmen? Mangelndes Selbstwertgefühl? Ja, es ist schade, wenn ein gut eingearbeiteter Mitarbeiter verloren geht, dessen Fehlen man nicht so schnell kompensieren kann. Aber hey, das ist so im Leben. Jeder Mensch macht eine Entwicklung durch, die Ansichten und Einstellungen können sich verändern und typischerweise bespricht man dies nicht mit seinem Chef an der Arbeit.

Ich hätte mir von meinem Chef die Größe gewünscht, mir zwar sein Bedauern mitzuteilen, mich aber gleichzeitig zu bestärken, dass es MEIN Leben ist und er mir dafür alles Gute wünscht. So habe ich es jedenfalls immer gemacht. Eine Kündigung spricht ja niemand leichtfertig aus und daher muss man davon ausgehen, dass sich derjenige auch reiflich überlegt hat, was als nächster Schritt in seinem Leben dran ist.

Leider hat es sich doch etwas anders ergeben. Die zum Teil unangenehmen Details unseres Gesprächs werde ich hier nicht ausbreiten. Nur soviel: das Ansinnen, mir einen Aufhebungsvertrag mit einer niedrigen Abfindung anzubieten (niedriger als das Gehalt der Restlaufzeit meines Vertrages), habe ich standhaft abgelehnt. Netter Versuch, noch etwas Geld einzusparen. So kam die bereits ausgedruckte und vom Personalchef unterzeichnete Freistellung von der Arbeit zum Zuge. Ab sofort darf ich in diesem Umfeld also nicht mehr mitspielen. Ich bin raus, auch wenn mein Vertrag noch weitere 6 Monate läuft, bis er endgültig beendet wird. Das macht mir die kommende Zeit etwas leichter, aber Ich verspüre keinen Triumph darüber.

4 Kommentare

  1. Luisa 14. September 2018 um 0:31 Uhr - Antworten

    Hallo Joe,
    wenn dein Chef das schon nicht hinbekommt, dann nimm halt du es nicht persoenlich. 🙂 Vor meinem Abschied hatte ich auch ein paar Ekligkeiten erlebt aber die haben mir ehrlich gesagt den Abschiedsschmerz versuesst. Zurueckblickend kannst du dann sagen „Gut, dass ich da weg bin, sonst haette ich noch mehr Zeit in der Umgebung verbracht, die mir anscheinend nicht wohl gesonnen war.“
    Alles Liebe,
    Luisa

    • Joe 14. September 2018 um 7:23 Uhr - Antworten

      Hallo Luisa,
      Nee, ich nehme es nicht persönlich. Es zeigt doch nur, wie schnell eine anscheinend freundliche Fassade zusammenbricht, wenn man den Druck auf dem Dampfkessel etwas erhöht.
      Ich zitiere Dich mal, weil es ganz genau auf mich zutrifft:

      Ich bin hier. Und hier bin ich genau richtig.

      Nicht bereit, mich zu verbiegen. Bereit, alle Herausforderungen anzunehmen.

      Viele Grüße, Joe

  2. Flori 14. September 2018 um 15:11 Uhr - Antworten

    Hallo Joe
    Luisa hat es meiner Meinung nach sehr gut ausgedrueckt, Dein Chef hat Angst, dass er jetzt Druck bekommt und dann nicht faehig ist Arbeiten, die du ausgefuehrt hast, selbst nicht erledigen kann. Es lief ja alles und jetzt wird er gefordert. Da hat er Bammel.

    • Joe 14. September 2018 um 16:04 Uhr - Antworten

      Hallo Flori,
      Ja, ich denke, die größte Sorge für ihn ist jetzt, meine Abteilung nicht weiter auseinanderfallen zu lassen. Da kann man schon mal Bammel bekommen. 😉

      VG, Joe

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.