Keine Frage: so ungern wie heute bin ich nur selten Einkaufen gegangen. Normalerweise erledigen wir die Besorgungen für die Schule bzw. das neue Schuljahr gleich zu Beginn der grossen Ferien. Dann haben wir alles beisammen und unsere Tochter (mittlerweile die einzige Schulpflichtige in der Familie) kann die Ferien unbeschwert genießen.

Schule des Lebens

School of Life. Quelle: Pinterest (Unbekannter Herausgeber)

Dieses Jahr ist alles anders. In Erwartung unserer Permanent Resident-Papiere haben wir es entgegen unserer Gewohnheit wirklich auf die lange Bank geschoben. Je näher das Ferienende rückte, desto bedrückter wurde unsere Tochter. Nein, sie wollte das neue Schuljahr nicht mehr in Deutschland beginnen. Nicht, dass sie Probleme in der Schule hätte, im Gegenteil. Aber in unseren östlichen Gefilden wird Schule oft noch genauso gelebt, wie vor 50 Jahren. Was das bedeutet? Druck, Druck, Druck. Lernkollektiv. Frontalunterricht. Angestaubte und uninteressante Lehrpläne. Sport mit paramilitärischem Einschlag („Riege, marsch, marsch!“). Die Schule des Lebens: Entweder, Du schaffst es, oder Du kommst im System um. Bzw., verlässt das Gymnasium. Bei uns herrschen noch Zucht und Ordnung.

Versteht mich nicht falsch, Schule ist sicherlich wichtig. Lernen auch. Aber nicht nach alten (DDR-) Methoden. Ich habe heute einen Videobeitrag von Prof. Gerald Hüther gesehen. Anerkannter Neurobiologe. Bekannt wurde er mit seiner Kritik unserer Schulen: Der Mensch lerne immer dann gut, wenn er von etwas begeistert, er also emotional beteiligt sei. Noten und Zeugnisse hingegen machten das Kind zum Objekt. Man kann das sehen, wie man will. Aber das Kinder mit Bauchschmerzen zur Schule gehen und am Nachmittag mit Hausaufgaben überschüttet wieder nach Hause kommen, kann es auch nicht sein.

Nun gut. Heute also haben wir es getan und doch Besorgungen für die Schule gemacht. Bis auf den letzten Drücker hinausgezögert. Beim Gute-Nacht-Sagen flüsterte mir unsere Tochter in’s Ohr: „Vielleicht kommt ja morgen noch die Bestätigung für die PR? Dann brauche ich am Montag nicht zu gehen.“ Ach, Kind….