//Reaktion auf die Kündigung

Reaktion auf die Kündigung

Von |2018-09-10T23:29:06+00:00September 10th, 2018|05: Antragsbearbeitung CIC|0 Kommentare

Ich hätte eigentlich gedacht, dass ich viel cooler bin. Bin ich aber nicht. Die Kündigung und der damit verbundene Schritt in die Ungewissheit haben mich doch ziemlich mitgenommen. Vor allem, weil ja heute eine Reaktion seitens meines Chefs anstand. Ich klappte zeitig am Morgen etwas nervös mein Notebook auf und loggte mich im Firmennetzwerk ein. „Nun bleib schon cool“, dachte ich mir, aber innerlich machte ich mich auf jedes mögliche Szenario einer Reaktion gefasst. Im Schnelldurchlauf scannte ich meine Mails. Nichts. Noch einmal hoch und runter. Immer noch nichts. Kann doch gar nicht sein? Ich weiß, dass mein Chef regelmäßig Sonntags seine Mails liest. Zumindest die, welche er unter der Woche nicht geschafft hat.

Alles andere wäre mir jetzt lieber gewesen. Aber gar keine Reaktion vergrößerte nur meine innere Anspannung. Immer noch nervös, überflog ich die neuesten Themen im Intranet. Nichts wirklich Interessantes. Dann poppt auf einmal die email-Benachrichtigung auf. Mail vom Chef. Überrascht und schockiert, möchte er mich so schnell wie möglich sprechen. Ja, sicher. Ich bin ja zu Hause, ruf halt einfach an, wenn Du Zeit hast.

Das tat er denn auch. Irgendwie erzeugt man mit einer Kündigung immer einen Frosch im Hals seines Gegenüber. Er wusste gar nicht, wie er anfangen sollte. Ich versuchte ihm etwas aus der Verlegenheit zu helfen: „Du willst sicher wissen, warum ich kündige“? Klar will er das.

Das folgende Gespräch geht uns beiden nahe. Er versucht professionell zu bleiben, aber die Enttäuschung ist ihm deutlich anzumerken. Ich versuche ebenfalls professionell zu bleiben, aber ich habe einen Kloß im Hals. Besonders, als ich erfahre, dass die ganze Abteilung eine Willkommensparty für meine Rückkehr aus der Elternzeit geplant hatte. Die fällt nun in’s Wasser. Stattdessen können wir eher Abschied feiern. Es ist ja nicht so, dass es mir in der Firma wirklich schlecht gegangen wäre. Nur, die jüngste Entwicklung hätte mich auch ohne die Idee nach Kanada zu gehen zu einer Kündigung geführt. Da unsere Firma gerade mal wieder extrem umstrukturiert wird und es diesmal den Eindruck macht, als ob alles von oben nach unten gedreht wird.

Ich erzähle aber auch nichts von unseren Auswanderungsplänen. Das ist im Moment zu unsicher, wir haben die Papiere immer noch nicht. Und wenn wir wider Erwarten eine Absage bekommen, macht das auch keinen Sinn jetzt schon so drauflos zu plappern. Nein, es bleibt bei den „normalen“ Kündigungsgründen.

Ein letzter Versuch mich umzustimmen: „Kann man denn noch etwas anbieten“? Ich hätte vielleicht versuchen sollen 30% Gehaltserhöhung rauszuschlagen. Vielleicht hätte ich die sogar auch bekommen. Aber ich will ja nicht unverschämt sein und es würde mir in Bezug auf unsere Reise nach Kanada auch nichts nützen. So legen wir nach einer Stunde Gespräch auf, beide traurig, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen.

Nun muss ich warten, was mein Chef bis übermorgen entscheidet. Auf jeden Fall werde ich den schweren Gang in die Firma antreten müssen. Dann werde ich erfahren, ob er mich freistellt oder ob ich noch ein halbes Jahr Beschäftigungstherapie verordnet bekomme. Für heute ist mein Bedarf an emotionaler Achterbahn auf jeden Fall erst mal gestillt.

 

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