Den Iren haben wir Halloween zu verdanken. Die Auswanderer des 18. Jahrhunderts brachten diesen Brauch mit in die Vereinigten Staaten, wo er sich rasch ausbreitete und heute, wie auch in Kanada, zu einer der groß angelegten Volksbelustigungen zählt. Europa und ebenso Deutschland zogen seit den 1990er Jahren nach und auch hier verbreitete sich der Spuk ziemlich schnell. Nicht, weil er eine große Tradition hätte, sondern vor allem, weil sich damit trefflich Geld verdienen lässt.

Ich bin keine zartbesaitete Natur und die Fratzenmasken und zurechtgeschminkten Gestalten lassen mich kalt. Im Allgemeinen ist es mir auch ziemlich egal, wenn sich nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene in Mummenschanz kleiden. In der vergangenen Zeit haben wir auch immer etwas Süßes zu Hause gehabt, um die mehr oder weniger gruselig zugerichteten Klingelputzer zu befriedigen. Aber ich habe dieses „Fest“ noch nie gemocht. Kommerzialisiert durch und durch und Horrorfratzen brauche ich zum Gruseln auch nicht. Da reicht ein Blick auf meine Steuererklärung.

Süßes oder Saures

Dieses Jahr haben wir jedoch beschlossen, Halloween komplett zu boykottieren. Es gibt nichts Süßes. Aus einem einfachen Grund: die kleinen (oder manchmal auch großen) Quengelgeister werden langsam unverschämt. Diese Erfahrung geht auf letztes Jahr zurück. Es klingelt an der Tür. „Mach schon auf“, sagt die beste Ehefrau, damals hochschwanger und kurz vor der Niederkunft. Widerwillig hieve ich mich aus dem Sofa, greife mir die Schüssel mit den Süßigkeiten und gehe zur Tür. Ich bin noch nicht auf halbem Wege, als schon ungeduldig an die Tür gehämmert wird. Noch einmal tief durchatmen, die freundliche Miene (trotz angesäuerter Gedanken) aufgesetzt und dann öffne ich die Tür. Ich kann noch nicht mal „Hallo“ sagen, da klatscht etwas Großes, Schwarzes, Wabbeliges in mein Gesicht. Ich erschrecke mich halb zu Tode, obwohl ich sonst nicht leicht zu erschrecken bin.No Halloween

Sie haben mir eine täuschend echt aussehende Riesenspinne an den Kopf geworfen. Gleichzeitig brüllt und krakeelt die Bande vor mir: „Süßes oder Saures!“ – Ich überlege kurz, ob ich die Tür nicht einfach wieder zu mache, aber man ist ja höflich konditioniert. Also reiche ich meine Schüssel und die raffgierigen Scheusale krallen vielhändig hinein. So vielhändig, dass ich sie bremsen muss. Andere wollen ja schließlich auch noch etwas. Plötzlich stößt mich einer der kleinen Kerle an und sagt: „Langweilige Snickers! Wir wollen GELD!“ Er meinte das todernst. Hat er trotzdem nicht bekommen. Meine Frau hätte den Spinnenangriff wahrscheinlich mit einem Herzinfarkt und einer Sturzgeburt quittiert. Ich kenne sie. Sie ist sehr schreckhaft.

Nix Halloween

Dieses Jahr gab es keine großen Diskussionen. Wir kauften nichts Süßes, zogen alle Jalousien am Haus zu und verließen den Ort der mutmaßlichen Schlacht am Nachmittag rechtzeitig in Richtung Innenstadt. Die Klingel wurde rein vorsorglich gleich noch mit abgestellt. Als wir gegen Abend zurückkehrten, zogen die letzten Horden blutverschmierter und angescheuselter Kreaturen gerade aus unserer Straße ab. Die Tüten und Beutel schienen nicht sonderlich gut gefüllt zu sein. Ein langer Blick unsere Straße hinauf und hinunter – ALLE unsere Nachbarn hatten es uns gleichgetan. Überall verdunkelte Häuser, Jalousien geschlossen, kein Licht. Wie gespenstisch. 🙂