Modul 1 ist geschafft

Vor lauter Lernen bin ich in letzter Zeit gar nicht mehr zum Aktualisieren des Blogs gekommen. Nun, da das Modul 1 des Studiums geschafft ist, will ich ein erstes Fazit ziehen.

Zuerst einmal war ich natürlich gespannt, wie das Studium so anläuft. Also habe ich am 3. September, zu Beginn von Modul 1, gespannt vor meinem Rechner gesessen, Technik gecheckt, alles easy. Die Verbindung war nach anfänglichen Schwierigkeiten ganz gut und dann ging es auch schon los. Modul 1 des Studiums beschäftigt sich mit History, Principles of Canadian Immigration Law and Immigration Policy. Mit mir online: 29 andere Studenten, ein buntes Völkchen, viele Chinesen und Inder, etwas Kanada, etwas Ukraine. Ich komme mir als Deutscher etwas verloren vor.

Das Verfolgen der Online Lessons bereitet mir keine Schwierigkeiten, unsere Dozentin ist Kanadierin italienischer Abstammung und spricht ein schönes, klares Englisch. Aber an Sätze wie diesen „An officer or the Immigration Division may impose any conditions, including the payment of a deposit or the posting of a guarantee for compliance with the conditions, that the officer or the Division considers necessary on a permanent resident or a foreign national who is the subject of a report, an admissibility hearing or, being in Canada, a removal order.“ muss ich mich erst einmal gewöhnen.

Dann geht es zur Sache. Hatte ich von Canada bisher den Eindruck, dass es überall doch eher gemächlich zugeht – hier nicht. Das Studium beinhaltet enorm viel Stoff, komprimiert auf 7 Monate. Und so wurden wir auch gleich mit der Ankündigung überrascht, dass wir nach 7 Tagen den ersten Zwischentest schreiben, nach weiteren 7 Tagen den nächsten Test und zu guter Letzt ein 3-stündiges Abschlussexamen für das Modul 1. Und als ob das nicht genug wäre, würde es zusätzlich noch eine Gruppenarbeit geben, die die Ausarbeitung eines schriftlichen Essay mit dem Minimum von 2 Seiten, besser aber 4 Seiten beinhaltet. Nervöses Gelächter überall.

Die Vorlesungen finden an jedem Wochentag abends von 6-8 Uhr statt. Anschließend sollte man den Stoff der Vorlesung nacharbeiten.

Die Zwischentests…..

Der erste Test ist wohl immer der Schwierigste, weil man nicht weiß, was einen erwartet. Insgesamt 15 Fragen mussten innerhalb einer Stunde beantwortet werden. Obwohl die Tests „Open book tests“ sind (man darf also die Bücher und auch das Internet nutzen), sollte man schon Bescheid wissen. Sonst verrinnt die Zeit bei den Recherchen sehr schnell. Und ich merkte, dass man in der Aufregung auch vergisst, wo man suchen muss. Während Test #1 mit 100% erfolgreich ablief, ging der zweite Test gründlich in die Hose. Und nicht deshalb, weil ich nicht gelernt habe, sondern weil sich bei Frage 7 von 10 mein Rechner so unglücklich aufgehangen hat, dass ich die linke Maustaste nicht mehr verwenden konnte. Wohlgemerkt, ein Mac! Apple ist wohl auch nicht mehr, was es mal war.

Da stand mir der Schweiß auf der Stirn. Die Zeit lief weiter und ich konnte den Test nicht durchführen. Habt ihr mal probiert, einen Rechner ohne funktionstüchtige linke Maustaste zu bedienen? Man kommt sich vor wie ein Krüppel. Es geht schlicht nichts.

Abendliche Lektüre für Modul 1
Abendliche Lektüre

Alles Herumprobieren bis hin zum harten Ausschalten des Rechners brachte nichts. Denn Apple hat die nette Funktion „beim Neustart alle Fenster wieder herstellen“ eingebaut, die man abwählen könnte, wenn denn die linke Maus funktioniert. So öffneten sich nachdem Neustart alle vorherigen Fenster wieder, darunter auch dasjenige, welches vermutlich die Probleme verursachte. Irgendwie wuselte ich mich dann per Tastatur durch den Rest der Prüfung und das Ergebnis fiel mit 70% auch nicht wie erwünscht aus.

In der abendlichen Vorlesung erklärte ich der Dozentin meine Pein und sie gewährte mir dankenswerterweise einen zweiten Versuch für den Test, den ich am Ende des Modul 1 absolvieren konnte. Diesmal 90%, wobei es eigentlich 100% gewesen sein müssten. Eine Antwort wurde als falsch bewertet, obwohl sie offensichtlich richtig ist. Auf meine diesbezügliche Nachfrage habe ich bis heute leider keine Antwort erhalten.

…und die Gruppenarbeit

Die Gruppenarbeit beschäftigte sich mit zwei case studies, also Fallstudien aus dem realen Leben. Wir sollten erörtern, ob die Immigration Officer die entsprechenden Paragraphen der „Charter of Rights and Freedoms“ richtig angewandt hatten und dies mit Beispielen aus der Rechtsprechung belegen. Dazu sollten wir Tandems aus jeweils zwei Personen bilden, die gemeinsam das Essay ausarbeiten sollten.

Mein Partner saß in Toronto, also in der anderen Ecke Kanadas. Nicht nur der zeitliche, auch der kulturelle Unterschied machte uns etwas zu schaffen. Version 1 beinhaltete keinerlei Gedanken von mir und mein Partner war der Meinung, dass dies nun schon perfekt sei. Den Schreibstil empfand ich zudem als sehr blumig und nicht auf-den-Punkt-kommend. Nach etwas Hin und Her konnte ich dann auch noch eigene Gedanken und Argumentation nach dem Schema Behauptung-Beweis unterbringen und schließlich einigten wir uns auf ein gemeinsames Dokument. Wie er zum Schluss treffend schrieb: „Its obvious that we both have different writing styles.“ Aber egal. Am Ende haben wir es rechtzeitig abgegeben.

… und dann das final Exam

Jedes Modul schließt mit einem final exam ab. Das von Modul 1 beinhaltete 50 Fragen, die in 3h beantwortet werden mussten. Genug Zeit also, um alles ausgiebig nachzuschlagen und jede Frage doppelt zu überprüfen. Ich war guter Dinge. Umso erstaunter war ich, dass ich in der Endauswertung 12 Fragen als „falsch beantwortet“ angezeigt bekam! Ich kann mir das bis heute nicht erklären. Offensichtlich ging es nicht nur mir so, der weitaus größte Teil unseres Kurses hat ebenso schlechte Bewertungen erhalten, das beste mir bekannte Ergebnis waren „nur“ 8 falsche Antworten.

Das ist nun etwas ärgerlich. Nicht, weil das final exam mit 40% in die Gesamtwertung eingeht, sondern weil es mich wirklich wurmt, warum so viele Antworten falsch gewesen sein sollten? Obwohl man im Buch nachschlagen und online recherchieren konnte. Und was sich noch etwas schlechter anfühlt: ich weiß noch nicht einmal, welche Fragen falsch beantwortet wurden. Man lernt ja bekanntlich aus Fehlern und ich würde mein Wissen dann schon gern korrigieren, sollte ich mir was falsch eingeprägt haben. Ich fürchte aber, dass es ähnlich ist wie mit dem Test #2. Manche Fragen werden wohl richtig beantwortet gewesen sein, nur die Bewertung hat nicht gestimmt. Bin gespannt, ob wir dieses Dilemma noch auflösen werden.

Ansonsten: neben dem vielen Stoff der vermittelt wurde, hatten wir in Modul 1 auch viel Spaß. Die Dozentin war locker, besonders an den Freitagen und ich glaube, da hat sie mit einem Getränk vor der Kamera gesessen, in dem kein Wasser enthalten war. 🙂

Nun läuft schon seit 5 Tagen Modul 2. Die Dozentin ist mit einem sehr noblen britischen Akzent gesegnet, was das Hörvermögen schult. Diesmal geht es um die „Family Class“ bei der Immigration, auch hier wieder Tests und schriftliche Zusatzaufgaben, aber man hat sich schon dran gewöhnt. Über den Fortgang werde ich weiter berichten.

5 Comments

    • Joe Post author

      Hallo Sonja,
      Danke. Bisher hat es mit dem Lernen ja auch immer geklappt. Das hier ist aber doch schön herausfordernd.

      VG, Joe

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  • Petra

    Glückwunsch und beim weiteren Lernen viel Erfolg, Joe!
    Genau das haben wir bei unserer Prüfung zum Real Estate Associate bzw der Brokerprüfung auch nicht verstanden. Man bekommt einfach nur das Ergebnis mitgeteilt… sonst nichts.
    Andere Länder, andere Sitten…
    Unsere Daumen sind weiterhin gedrückt!

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