Life is a Rollercoaster

Von |2018-11-25T01:56:09+00:00November 25th, 2018|06: Vorbereitungen auf den Abflug|2 Kommentare

RollercoasterMir brummt der Schädel, und nicht nur mir. Die ganze Familie ist seit der Nachricht über die bestätigte PR im Ausnahmezustand. Oder, wie es ein lieber Freund formulierte: „die nächste Zeit wird für Euch eine Art Rollercoaster sein“. Genauso ist es. Mit Höhen und Tiefen, Dellen und manchmal dem Gefühl, aus der Kurve zu fliegen.

Es ist schon wieder so viel passiert. Ich versuche es mal, der Reihe nach zu ordnen. Es wird wohl ein längerer Post werden.

1. Maklergeschichten

Am 9.11.18 hatte ich ja schon berichtet, dass ich Makler zur ersten Besichtigung unseres Hauses und zur Erstellung einer Markteinschätzung angesprochen hatte. Mit beiden hatten wir unterdessen die Präsentation und beide haben ihre Aufgabe ganz gut gelöst. Die eine Maklerin (ich nenne sie mal „die Gehobene“) präsentierte uns das Ergebnis der Analyse in einem Hochglanzhefter, der andere Makler („der Aufstrebende“) auf 4 zusammengetackerten DIN A4 Blättern. Aber man soll sich ja nicht von Äußerlichkeiten blenden lassen.

Die Gehobene lud mich zur Präsentation in ihr Office in bester Citylage ein, der Aufstrebende traf sich mit mir in einem Kaffee im dörflichen Nachbarort. Die Gehobene in voller Business-Montur, der Aufstrebende in Jeans und Pullover. Sie im gereiften Jahrgang, er ein junger Wilder.

Beide schätzten den Wert unseres Hauses aus meiner Sicht zu niedrig ein. Aber, was hab ich schon Ahnung davon. Das sind ja die Profis und man selber schätzt sein Hab und Gut wohl immer höher ein. Vielleicht Wunschdenken. Obwohl uns viele gesagt haben, dass unser Haus nebst Grundstück ein seltenes Juwel in unserer Stadt wäre und man mindestens, wenn nicht noch mehr damit erzielen müsste. Egal, was andere sagen. Die Profis sprachen ihr Wort und das lag um 80.000 € auseinander, aber beide Einschätzungen lagen in einem höheren Bereich, als ein Haus üblicherweise verkauft wird. Ihr seht, ich versuche um die Summe herumzueiern.

Verschiedene Strategien

Interessant wurde es bei der Vermarktungsstrategie. Die Gehobene: „klassische Vermarktung, es wird jedoch nicht ganz so leicht, Käufer in dieser Preisregion zu finden. Die wissen dann sehr genau, wo die Steckdosen sein sollen und wie ihre Küche auszusehen hat und wenn sie das nicht so vorfinden, dann drücken sie den Preis ganz schön runter. Aber wir werden schon jemanden finden.“ Der Aufstrebende: „Wir versuchen einen Trick. Wir teilen das Grundstück, verkaufen das Haus mit einem Teil des Grundstücks und das andere Grundstück verkaufen wir separat. So können wir mehr aus Ihrer Immobilie machen.“ Klingt einleuchtend.

Ich rufe nach dem Gespräch mit dem Aufstrebenden die Gehobene an und frage, was sie von dieser Strategie hält. „Oh, ja, das ist eine tolle Idee. (Feuer und Flamme). Das werde ich gleich mal prüfen (hab ich ihr eine Lampe angezündet?). Schicken Sie mir bitte noch ein paar Unterlagen und ich melde mich mit einem Terminvorschlag zum Telefonieren bei Ihnen.“

Der Terminvorschlag zum Telefonieren war letzten Dienstag, Nachmittag. Da wir ja seit Montag von unserer PR wissen, drängt es uns jetzt auch, einen Makler zu beauftragen. Ich rufe Dienstag Nachmittag wie vereinbart die Gehobene an. „Tut uns leid, die ist außer Haus bei Kunden. Rufen Sie doch bitte in einer Stunde noch mal an“. Hmm, ok. Ich rufe nach einer Stunde wieder an. Das gleiche Spiel. Ich versuche es auf dem Mobiltelefon. Nichts. Und noch eine Stunde später werde ich beim Anruf auf eine Zentralnummer in Frankfurt/Main weitergeleitet.

Mittwoch ist bei uns Buß- und Bettag, da arbeitet keiner. Und Donnerstag setzt sich das Telefonspiel vom Dienstag fort. Nach einem tiefen Blick in die Augen der besten Ehefrau informiere ich gegen Mittag den Aufstrebenden, dass wir zum Verkauf unseres Hauses seine Dienste in Anspruch nehmen wollen. Am Abend (spät) erhalte ich eine kurze eMail der Gehobenen, dass sie mich bäte, doch am nächsten Nachmittag (Freitag) mit ihr zu telefonieren. Wie sagte Gorbi so schön: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

2. Schule

Wir überlegen, ob es Sinn macht unsere Tochter in dem ganzen Trubel rund um Hausverkauf, Sachen packen usw. noch in den Jahresendstress der Schule mit traditionell 3 Klassenarbeiten und 2 Tests / Woche zu schicken. Sie ist sowieso schon angeschlagen. Macht keinen Sinn. Also führe ich am Dienstag ein kurzes Telefonat mit der Schule und bekomme tatsächlich am selben Tag noch einen Termin bei der Schulleiterin.

Ich schildere unsere Situation und dass wir vermutlich Mitte Januar erst in die USA und dann nach Kanada gehen werden. Sie überlegt nicht lange, grinst mich breit an und sagt: „Seit August dürfen wir als Schulleiter auch unbefristete Freistellungen vom Unterricht aussprechen, wenn ein triftiger Grund vorliegt. Ein Umzug in’s Ausland ist so ein triftiger Grund. Schreiben Sie bitte einen formlosen Antrag und ich stelle Ihre Tochter ab sofort bis zu Ihrer endgültigen Abmeldung aus Deutschland vom Unterricht frei. Das Halbjahres-Zeugnis schicken wir Ihnen in die USA oder nach Kanada, wohin auch immer Sie es haben wollen.“ Patente Frau. Neuerdings mag ich Schulleiter/innen.

3. Ist das Kunst oder kann das weg?

Nach diesem Motto durchflöhen wir unser Haus. Alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist bzw. seinen späteren Nutzen unter Beweis stellt, fliegt raus. Zuerst auf einer Liste im Kopf, einen Tag später auch in der Realität. Die plötzliche Aufräumwut der liebsten Tochter nimmt schon fast den Atem, so konsequent ist sie. Unter „Ich liebe Ausmisten…“-Gesang stapeln sich Berge nicht mehr benötigter Dinge im Flur, Klamotten, Schulhefter, alte Schuhe ebenso wie Rucksäcke und diverser Krimskrams. Das meiste an Klamotten und Schuhen geht in die Kleiderspende in die Ukraine. Der Rest verteilt sich in diversen Mülltonnen.

Unsere Liste von zu erledigenden Dingen wird immer länger statt kürzer. Immer fällt uns noch etwas ein, was gekündigt, verschenkt, verkauft oder erledigt werden muss. Es ist, als ob man die Seele von einem großen Ballast befreit. Abends sind wir todmüde, denn das quängelnde Kind und die Aufäumarbeiten fordern ihren Tribut. Zur Idee eines längeren Florida-Urlaubs (vielleicht der letzte auf sehr lange Zeit) schreibe ich in einem der nächsten Posts.

2 Kommentare

  1. Nadine 26. November 2018 um 1:13 Uhr - Antworten

    Das hört sich gerade ganz nach unseren letzten Monaten in D an!:-) Die Maklergeschichte ist leider kein Einzelfall, verkauft nicht unter Wert!! Downsizing macht wirklich Spaß, nicht wahr? Ich hatte richtig Spaß daran, und vielleicht findet Ihr dabei ja auch Deine Studienbücher.;-)
    Dass Schulleiter nun auch selbst längerfristig beurlauben dürfen ist ja eine revolutionäre Entwicklung! Gut für Euch!
    Wollt Ihr wirklich vorher noch nach Florida vorher? Wir hatten mehr Zeit als Ihr, trotzdem wär es mir zu stressig geworden. Obwohl wir auch grad wieder nach Flügen gucken… Es ist so schön dort.
    Genießt den Rollercoasterride!

    • Joe 26. November 2018 um 1:56 Uhr - Antworten

      Hallo Nadine,
      Morgen, nee, heute kommt der Makler zum Vertrag unterschreiben. Ich werde ihm schon im Genick sitzen, dass das Haus weit höher angeboten werden soll. Im Preis nachgeben kann man immer, hoch geht es nie.
      Die Studienbücher sind weg, definitiv. Aber das macht mir keine große Sorge, nachdem ich in Canada eh wieder von ganz unten anfangen muss. Wird jedenfalls gesagt.
      Florida gönnen wir uns jetzt, es wird einfach Zeit. Meine Frau kämpft quasi seit Ende 2016 und wir müssen mal längere Zeit irgendwo sein, wo es warm, sonnig und mit Nichtstun verbunden ist. Sonst drehen wir durch. 6 Wochen haben wir uns jetzt vorgenommen, aber vielleicht bleiben wir ja länger? Uns drängt ja nichts zurück nach D.

      Viele Grüße, Joe.

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