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Internationale Führerscheine

Von |2018-08-04T14:13:30+00:00August 3rd, 2018|05: Antragsbearbeitung CIC|7 Kommentare

In unserer Situation hat man zwei Möglichkeiten.

  1. Man sitzt und wartet sich die Seele aus dem Hals. Wird ungeduldig, unwirsch, schlecht gelaunt und kommt doch nicht weiter.
  2. Oder man rafft sich auf, hofft das Beste und versucht, etwas daraus (oder mit der Situation) zu machen.

Ich bin entschieden ein Fan von „Möglichkeit 2“. Herumzusitzen und leidvoll ergeben zuzuschauen wie nichts passiert liegt mir überhaupt nicht. Ich muss etwas Sinnvolles unternehmen, sonst gehe ich ein. Deshalb hatte ich mir gestern noch einmal überlegt, was ich denn alles brauchen, sollten wir jemals nach Kanada kommen. Der Ordner mit Papieren ist ja mittlerweile ziemlich dick und je länger ich dort reinschaue, desto mehr habe ich das Gefühl, das mir noch etwas fehlt. Fehlt was?

Ja. Ganz klar. Wir haben noch keine Internationalen Führerscheine. Irgendwo habe ich gelesen, dass diese den Start in das automobile Leben in Kanada ungemein erleichtern. Ich glaube auch nicht, dass ein kanadischer Beamter etwas mit meiner Führerschein-Plastikkarte in deutscher Sprache anfangen kann. Also habe ich heute kurzerhand die beste aller Ehefrauen geschnappt und verkündet, dass wir einen Ausflug machen. Für den Ausflug bräuchten wir allerdings auf jeden Fall 2 Passbilder von ihr und mir, unsere Führerscheine und die Pässe. Den kleinen Nesthaken nehmen wir natürlich auch mit.

Hier bekommt man Internationale Führerscheine

Führerscheinstelle

Nachdem der Kurze am Nachmittag seinen obligatorischen 20-Minuten-Mittagsschlaf gehalten hat, geht es bei knapp 35 Grad im Schatten los. Bloß gut, dass es im Auto dank Klimaanlage wesentlich erträglicher ist als draußen. Die angenehme Kühle müssen wir in der Führerscheinstelle leider gegen gründlichen deutschen Beamtenmief eintauschen: wer auch immer das Gebäude der hiesigen KFZ-Zulassungs- und Führerscheinstelle geplant hat, muss in seinem Studiensemester nicht die hellste Kerze auf der Torte gewesen sein. Ein Glaspalast, in den die Sonne unbarmherzig hereinknallt, die Angestellten schweißtriefend vor sich hin vegetieren und wo gefühlt 35 Grad Innentemperatur herrschen. Und natürlich: „Bitte ziehen sie am Automaten im 1 OG eine Nummer“. Wir schleppen uns nach oben (Luft ist oben IMMER wärmer!), ziehen die Nummer und warten dann inmitten von ca. 30 Leuten leise vor uns hintriefend auf den Aufruf.

Natürlich verstehe ich das Nummernsystem und die Logik dahinter heute noch weniger als sonst. Geheimnisvoll blinken alle möglichen Zahlenkombinationen auf der Anzeigetafel auf. Warum es da Nummern gibt, die mit den verschiedensten Buchstaben des Alphabets beginnen, weiß nur der Erfinder des Systems. Alle Mitwartenden leiden gemeinsam still mit uns vor sich hin. Eine Tafel verkündet, dass fast alle Anwesenden in Zimmer 1.29 müssen. Ein Glaskasten, in dem Priscilla und Flash aus „Zoomania“ Dienst zu verrichten scheinen. Wer den Film nicht kennt: zwei Faultiere mit un..end..lich langsamen Bewegungen. So kommen mir die beiden Bediensteten darin auch vor.

Schon nach einer Stunde werden wir aufgerufen. Unser Kleiner hat ein hochrotes Gesicht und brabbelt optimistisch vor sich hin. Es stellt sich heraus, dass ein Internationaler Führerschein nur ausgestellt wird, wenn wir vorher den Papier- in einen Kartenführerschein umgetauscht haben. Ich habe einen, aber Lilly natürlich nicht. (Ich bin aber auch sowas von nachlässig. Hätte ich schon längst mal erledigen sollen…solche Sachen sind mein Job in unserer Familie).

Zum Glück lässt sich alles zusammen erledigen. Ich bekomme meinen Internationalen Führerschein gleich mit (ein paar zusammengetackerte Papierseiten!), Lilly’s Kartenführerschein und dann auch der Internationale Führerschein sind in 14 Tagen fertig. Wir sind allerdings auch schon fertig, als wir aus dem Zimmer wanken. Aber, was soll’s. Wir haben wieder einen offenen Posten auf der ToDo-Liste abgehakt. Der Kleine hat es ohne Schreikrämpfe überstanden. Und zur Belohnung dürfen wir dann ja auch wieder 20 Minuten im gekühlten Auto nach Hause fahren.

7 Kommentare

  1. Nadine 3. August 2018 um 2:25 Uhr - Antworten

    Großartig! Bei diesem Artikel musste ich sehr lachen, auch wenn es mir sehr Leid tat, dass Ihr bei diesen tropischen Temperaturen so schwitzen musstet. Aber immerhin ist wieder ein Teil erledigt und Eure Auswanderung kommt näher und näher… Hier in Kanada gab es dann Klimaanlage beim Führerscheinwechsel. Freut Euch drauf!!

    • Joe 3. August 2018 um 14:26 Uhr - Antworten

      Offensichtlich sind sie in Kanada schon ein bisschen weiter, was die Ausstattung öffentlicher Gebäude mit Klimaanlagen betrifft. Hoffentlich muss ich dann nicht schreiben, dass ich dann da mit einer Erkältung rausgekommen bin….

  2. Serg 3. August 2018 um 12:22 Uhr - Antworten

    Das schlimme an der ganzen Sache ist, das man den Internationalen Führerschein bei der Auswanderung nicht benötigt. Daher war der Weg umsonst.
    Man muss den deutschen Führerschein eh in den kanadischen umtauschen. Das heißt der deutsche Führerschein wird einbehalten und wieder nach Deutschland versendet. Und mit dem Internationalen Führerschein können die da nichts anfangen.

    • Joe 3. August 2018 um 14:27 Uhr - Antworten

      Hallo Serg, danke für den Kommentar. Wenn wir das nur eher gewusst hätten, dann hätten wir uns gar nicht erst auf den Weg gemacht. So haben wir wieder etwas Lehrgeld bezahlt.
      Viele Grüße, Joe

    • serafine 5. November 2018 um 9:35 Uhr - Antworten

      Hallo Serg, danke für die wertvolle Information. Habe ich so auch nicht gewusst. Weisst Du wie es sich verhält, wenn wir vorab in Kanada sind, quasi als Touristen? Muss ich da einen internationalen Führerschein haben oder wie funktioniert das mit Mietwagen?

      • Joe 5. November 2018 um 10:00 Uhr - Antworten

        Wenn Ihr als Touristen in Kanada seit, ist Euer Führerschein gültig und muss nicht umgetauscht werden. Auch für einen Mietwagen benötigt Ihr keinen Internationalen Führerschein. Es wird lediglich empfohlen einen mitzunehmen, falls doch mal etwas passiert. Dann muss man der Polizei nicht erst umständlich erklären, was da auf Deutsch geschrieben steht.

  3. serafine 5. November 2018 um 9:34 Uhr - Antworten

    Dresden oh Dresden…:-)))))

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