Inspiration

Von |2018-08-16T02:04:17+00:00August 16th, 2018|05: Antragsbearbeitung CIC|3 Kommentare

Wenn ich vor einiger Zeit auch den Fehler begangen habe, mir gedankliche Anregungen im Internet zu holen und darüber fast verzweifelt bin – ich habe es wieder getan. Diesmal mit einem glücklichen Ende. So etwas passiert nicht allzu oft. Man stößt plötzlich auf eine Seite und schon ist sie da, die Inspiration. Die Muse, die einfach vorbei geht und einem sanft die krause Stirn küsst.

Nun bin ich über ein Blog gestolpert, dass sich zwar auch mit Auswanderung, aber nicht vordergründig, beschäftigt. Eher berichtet es locker über die kleinen, alltäglichen Dinge, die den Auswanderer in der neuen Heimat erwartet. Man ist ja eigentlich immer viel zu kompliziert. Ich nehme mich da nicht aus. Alles will man genau wissen, kontrollieren, vorher planen. Die Dinge müssen geregelt und geordnet sein und – typisch deutsch – es muss alles einen Sinn ergeben. Warum liegst Du denn hier und starrst in den Himmel? Weiß nicht. Weil ich Lust dazu habe? Ohne Sinn geht gar nicht. Nicht in Deutschland.

Plötzlich stellst Du beim Lesen fest, dass es aber auch komplett anders geht! Und tief im Innern wird eine Saite angesprochen, von der Du vorher nur geahnt hast, dass es sie in Dir gibt.

Es geht auch anders

Tagish_Lake,_Yukon_Territory.Welch erhellende Erkenntnis! Leben in einer Hütte ohne fließend Wasser und Strom, dafür mit Windrad und Handpumpe? Der nächste Ort 2 Autostunden entfernt? In Deutschland undenkbar. In den Weiten Kanadas nicht ungewöhnlich. Es kommt nicht auf die (scheinbare) Sicherheit der Dinge und Versorgtheit an. Nicht auf den bitter erschufteten monatlichen Gehaltsscheck. Nicht auf pünktlich bezahlte Rechnungen, Steuererklärungen, GEZ-Gebühren oder TÜV-Gutachten. Plötzlich ist das Leben UNMITTELBAR. Dreck an den Händen, mit denen Du Dein Gemüse anbaust. Jagen, schießen, häuten und zerlegen. Holz wird nicht für 120€/Festmeter im Baumarkt gekauft. Nein. Du nimmst die Säge, gehst raus und kämpfst den guten Kampf.

Und vor allem: niemand verlässt sich auf Andere. Bist Du unzufrieden mit Deinem Job? Ändere es! Du schuftest das ganze Jahr über, nur, um lächerliche 3 Wochen Urlaub am Stück zu haben? Und trotzdem schwingt jeden Tag im muffigen Büro die Sehnsucht in Dir? Ja, den meisten Deutschen geht es so. Warum nicht einfach mal die Zeit am Wochenende nutzen und in die Natur fahren? Kurzurlaub machen? Hach…da muss ich ja erst wieder packen … und dann was buchen und überhaupt kostet es doch auch wieder Geld und so richtig entspannen kann ich in der Kürze der Zeit auch nicht. Die Hecke zum Nachbarn ist auch noch nicht geschnitten. Und dann ist das bestimmt wieder überlaufen, wo ich doch meine Ruhe haben will.  Wiedererkannt? – Deutsch, deutsch, deutsch. Jammern auf höchstem Niveau.

Ich möchte in meinem „neuen Leben“ mehr Einfachheit wagen. Mich auf das Wesentliche besinnen. Geld scheffeln gehört definitv nicht dazu. Dafür aber, mehr tolle Zeit mit meiner Familie zu haben. Den kleinen Kerl auf den Rücken zu packen und mit ihm den Duft des Waldes zu atmen. Mit ihm am Bach einen Staudamm mit Wasserrad bauen. Meiner Tochter nachts die Sternbilder erklären. Wildbeeren und Pilze sammeln. Das Leben SPÜREN und mit allen Sinnen im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Ist das zu weit hergeholt? Der kleine schwarze Mistkerl auf meiner Schulter wird mir sicher schon morgen wieder hämisch zuflüstern, dass das ja gar nichts werden KÖNNE, weil ich dafür nicht vorgesorgt habe. Und weil ich keine Sicherheiten habe und überhaupt, zurück ins Hamsterrad und Geld verdienen müsse.

Und ich? Werde nicht drauf hören. Gar nichts muss ich! Einfach so.

3 Kommentare

  1. Nadine 16. August 2018 um 2:50 Uhr - Antworten

    Toller Beitrag, wieder sehr inspirierend und super geschrieben! Deine Sehnsucht kann ich sehr gut verstehen… Genau so hätte ich es auch gern. Leider bin ich ü40 und mache beim Aufstehen von Stühlen mittlerweile Geräusche, sodass ich den Schwazbären vermutlich nicht actionmäßig mit Wumme verjagen könnte. Apropos Wumme: Ich würd mir garantiert selber was abschießen bevor ich den Bären erwische. Bei Temperaturen von minus 46 Grad gefrieren mir schon beim Lesen die Adern, und die Vorstellung, morgens um halb 4 zur Arbeit losfahren zu müssen erfreut auch nicht grad meine romantisch veranlagte Seele. Aber jedem das Seine! 😉
    PS: Such Dein Studienbuch und kommt endlich rüber, Himmel!
    PPS: Ich würd gern öfter schreiben, aber das Internet ist hier so schwach auf der Insel, dass ich auf dem Deck dem Mond zugewandt auf Zehenspitzen den Arm verrenke, um diesen Kommrntar zu schicken. Vermutlich kann ich mich aus dieser Position nicht mehr selbst befreien. DAS, mein Lieber, DAS ist Survival auf neuschottisch!

  2. Joe 17. August 2018 um 10:21 Uhr - Antworten

    Hallo Nadine,
    Danke Dir.
    Ja, meine Gelenke knacken beim Aufstehen auch schon (und Mist: ich bin jetzt ü50). Deshalb heisst es ja auch: „auf der Lauer liegen“ 🙂 Dann bekommt der Schwarzbär unsere Gebrechlichkeiten nicht mit.

    P.S. Das Studienbuch ist definitiv weg. Rüberkommen würden wir wohl, kannst Du bitte mal bei CIC Druck machen? 😉
    PPS: Stelle ich mir grad bildlich vor, wie Du versuchst mit langem Arm etwas Internet in NS zu erhaschen. Aber hey: man kann nicht alles haben, tolles Haus mit gemähtem Strandzugang und dann auch noch Internet? 😛

  3. Nadine 17. August 2018 um 17:58 Uhr - Antworten

    Ich fahr da gleich mal hin und mach Streß. Mal sehen, wie schnell sie die Schwarzbären auf mich loslassen…

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