IELTS Sprachtest, die Zweite…

Nun habe ich den IELTS Sprachtest also zum zweiten Mal „durchlitten“. Diesmal die akademische Version. Der IELTS Sprachtest ist bekanntlich in 2 Varianten gegliedert: einmal der „General Test“, dessen Ablauf ich hier beschrieben habe, zum anderen der „Academic Test“, über den ich heute schreibe.

Beide Varianten umfassen die 4 Sprachfähigkeiten Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen. Während der „General-Test“ vor allem für Immigrationszwecke benötigt wird, muss man den „Academic Test“ absolvieren, wenn man im englischsprachigen Ausland studieren will, oder wie jetzt hier bei mir, für die Zulassung in einem bestimmten Beruf den Nachweis über profunde Englischkenntnisse erbringen muss.

Der Unterschied zwischen den beiden Tests besteht in den Aufgaben für Lesen und Schreiben. Beim Lesen werden Artikel aus wissenschaftlichen Publikationen vorgelegt, man muss diese durchlesen und dann verschiedene Fragen beantworten. Diese setzen sich aus „multiple choice“, Lückenergänzungen (also Sätze, wo ein Wort oder eine Phrase fehlt) und aus vorgegebenen Antworten, bei denen man auswählen muss, ob sie auf den Text zutreffen („true“), nicht zutreffen („false“) oder ob sie nicht im Text vorkommen („not given“). Natürlich sind die Fragen/Antworten so gestaltet, dass sie verwirren und sind mit Synonymen gespickt. Die wollen ja wissen, ob man einen breiten Wortschatz hat und eine Frage auch versteht, wenn sie andere Worte benutzt, als im Text vorkommen.

Beim Schreiben hat man, wie im „General Test“ auch, zwei Aufgaben zu bewältigen. Erstens: man muss ein Diagramm oder einen Prozess beschreiben (im „General Test“ ist da meistens die Aufgabe, einen Brief zu schreiben), wobei die Diagramme von Balken-, und Linien-, bis hin zu Tortendiagrammen reichen. Oder man muss 2 verschiedene Diagramme beschreiben. Bei diesen Aufgaben wird nicht nur Wert auf das Beschreiben gelegt, sondern auch darauf, ob man die auf den ersten Blick erschlagenden Informationen logisch zusammenfassen, clustern und Trends erkennen und beschreiben kann. Die zweite Schreibaufgabe ist dann ein Essay zu einer Fragestellung „aus dem Leben“.

Für mich gab es bei diesem Test vor allem die Herausforderung, die geforderte Punktzahl in allen 4 Kategorien zu schaffen. Zur Zulassung für die finale Prüfung als Immigration Consultant sind folgende Werte gefordert:

  • Hören: 8.0
  • Lesen: 7.0
  • Schreiben: 7.0
  • Sprechen: 7.0

Diese Werte entsprechen dem IELTS Score System, wer sich interessiert, was genau an Anforderungen dahinter steckt, findet hier weitere Informationen.

Der Testtag

Der Test fand in der University of British Columbia Okanagan (UCBO) in Kelowna statt. Zeitiges Aufstehen war angesagt, denn man sollte schon um 8 Uhr da sein, um sich für den Test zu registrieren. Der Test selbst sollte um 9 Uhr starten. Die Bedingungen beim IELTS sind sehr strikt, wer später als 8:30 Uhr erscheint, wird vom Test ausgeschlossen und muss ihn auf eigene Kosten wiederholen (Refund gibt es nicht). Also machte ich mich um 7 Uhr auf den Weg, um die 45 km nach Kelowna zu fahren und um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Das UBCO-Gelände ist sehr weitläufig. Ich hatte einige Schwierigkeiten das Testgebäude zu finden. Schön wäre gewesen, wenn man wenigstens einen Wegweiser aufgestellt hätte, aber so irrte ich etwa 15 Minuten im Nieselregen umher, bis ich im richtigen Gebäude war.

Die Registrierung startete 8:15 Uhr und ging reibungslos vonstatten. Ich wurde sodann in einen großen Hörsaal geführt, wo ich anschließend fast eine Stunde wartete, bis der Test endlich begann.

Hörtest. Die Tücken des Hörtests sind gleichzeitiges Hören und Schreiben. Und während man noch schreibt, geht es weiter mit relevanten Informationen. Natürlich rutschte mir gleich im ersten Teil etwas durch. Ich dachte noch über das eben geschriebene Wort nach, da war der Sprecher schon weiter und ich hatte die nächste Information verpasst. Es ging um die Zustellung eines Paketes, man musste den Namen des Empfängers und die Adresse heraushören. Den Namen schrieb ich auf und kontrollierte die Rechtschreibung, da kam schon die Strasse. Irgendeine Adresse in New York City. Das sah auf dem Testbogen so aus:

Name: Cindy ……….
……………….. Avenue
Upper…………………..


Wie gesagt, den Namen hatte ich. Die Straße und was bei Upper….. hinkommen sollte, hatte ich verpasst. Zum Glück half mir am Ende meine Liebe zu New York: was konnte bei Upper…. anderes als „Upper East Side“ hinkommen? Der Rest des Hörtests ging ganz gut, auch wenn mir beim Nachhausefahren zwei Fehler auffielen, die ich offensichtlich gemacht hatte.

Lesen war kein Problem. 3 verschiedene Texte: eine wissenschaftliche Abhandlung über Elefanten, Elternbeteiligung beim Lernen mit Kindern (pro/contra) und den 3. Text hab ich sogar schon wieder vergessen. Zeitprobleme hatte ich nicht.

Schreiben. Im ersten Teil erhielt ich ein Schaubild (Prozessablauf), wie Olivenöl hergestellt wird. In neun Prozessschritten vom Pflücken über das Pressen bis zum Abfüllen sollte der Prozess beschrieben werden. Ich war innerlich sehr erleichtert, denn mit den Diagrammen hätte ich mich weit schwerer getan. So brauchte man nur die einzelnen Schritte zu beschreiben.

Das Essay im zweiten Teil war nicht ganz so leicht: „Some people think that history doesn’t tell us much, others believe we need to learn from the past to understand the future. Discuss both views and give your opinion“.

Nicht so leicht deshalb, weil in der schriftlichen Aufgabe erwartet wird, dass man beim Schreiben einem bestimmten Schema folgt. Zuerst einmal muss man die Fragestellung paraphrasieren, also mit eigenen Worten wiedergeben. Dann wird eine kurze Zusammenfassung erwartet, aus der die eigene Meinung hervorgeht. Dann 2 Absätze mit Betrachtung jeweils eines Arguments pro/contra. Und am Schluss eine Zusammenfassung.

Da war ich etwas übereifrig und habe die kurze Zusammenfassung nach der Paraphrasierung vergessen. Was mich am Ende Punkte gekostet hat, denn es wird gesagt, dass man ohne eine Zusammenfassung nicht über einen Score von 7.0 hinauskommt.

Sprechen. Nachdem der erste Teil vorbei war, gab es eine kurze Pause von einer Stunde. Dann kam noch der mündliche Teil dran. Nach einer kurzen „Warmlaufphase“ mit Smalltalk gab es dann einen Part, in welchem ich 2 Minuten darüber sprechen sollte, wie der Wetterbericht mich davon abhielt, irgendetwas zu tun. Und im letzten Part lauter Fragen, die sich auf Wetter, Wetterbericht, Wetterunbilden usw. bezogen. Das hat Spaß gemacht, da ich etwas über Segeln erzählen konnte und wie das mit dem Wetter zusammenhängt.

Insgesamt lief der Test doch nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte. Natürlich hat man „nachher“ immer ein Gefühl der Unsicherheit, aber nach knapp zwei Wochen hatte ich die Resultate:

  • Hören: 8.5
  • Lesen: 9.0
  • Schreiben: 7.0
  • Sprechen: 8.5

In aller Demut und Dankbarkeit: IELTS Sprachtest bestanden und Zulassungsanforderungen erfüllt. Was will man mehr.

2 Comments

  • Gary

    Hi Joe,
    erstmal herzlichen Glückwunsch zu den bestandenen Tests.
    Ich bin mir sicher, dass auch viele gebürtige Kanadier, inkl. mir, da nicht mit voller Punktzahl abschneiden würden.
    Daher um so mehr, Hut ab!

    Reply
    • Joe Post author

      Hi Gary,
      Danke Dir vielmals.
      Ja, ich kenne sogar jemanden, der die Zulassungsvoraussetzungen nicht geschafft hat, obwohl er Englisch als Muttersprache spricht. Das hat aber eher etwas mit der Vorbereitung auf den Test zu tun, denn das Testformat bewertet eben auch, ob man die Struktur des Tests verstanden hat und anwenden kann. Insofern empfinde ich den IELTS Test auch als einen der schwersten Englischtests (ich habe einige andere testweise probiert, aber IELTS gewählt, weil ich im Sprachteil mit einem Menschen und nicht in den Computer sprechen wollte).
      VG, Joe

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