//Es wird Zeit zu handeln

Es wird Zeit zu handeln

Von |2018-09-07T02:07:48+00:00September 7th, 2018|05: Antragsbearbeitung CIC|4 Kommentare

Wir haben nachgedacht, was in unserer momentanen Situation am besten wäre. Jetzt steht es fest: es wird Zeit zu handeln. Das Warten zermürbt uns sonst. Unser Medical haben wir vor fast vier Monaten absolviert und geduldig die avisierte Zeit von 2-3 Monaten gewartet – und leider gibt es bisher doch keinen Fortschritt in Bezug auf unsere Dokumente zur Permanent Residency. Auch wenn es bei uns nach außen hin ruhig scheint, so sind hinter den Kulissen die Diskussionen jedoch längst im Gange.

Folgende Varianten gibt es:

  • Möglichkeit 1: wir warten wie bisher einfach weiter auf unsere Dokumente, untätig, ausgeliefert, hilflos. Einstimmig abgelehnt. Da hat keiner mehr Lust drauf.
  • Möglichkeit 2: wir fangen an, unser (Rest-) Leben hier zu ordnen. Und das ohne Bescheid von CIC, wie es mit unserer Bewerbung nun aussieht. Dazu gehört vor allem, das Haus für den Verkauf vorzubereiten, die Arbeitsstelle und Verträge zu kündigen usw.
  • Möglichkeit 3: wir blasen alles ab und es bleibt, wie es ist. Auch das ist keine wirkliche Option.

Die Leitplanken fallen weg

Bleibt also nur Möglichkeit 2 und die verlangt viel Gottvertrauen von uns. Wir bewegen uns damit wie ein Hochseiltänzer auf dünnem Seil, aber ohne Netz und doppelten Boden. Wir waren in unserem Leben noch nie in Mann auf dem Hochseileiner solchen Situation. Bisher kam zu allererst das Sicherheitsdenken. Alles musste vorhergeplant werden. Einen Job kündigen, ohne ein anderes Angebot zu haben? Undenkbar.

Wenn wir es aber Ernst meinen mit der Idee unser Leben zu ändern, spielt es keine Rolle, ob wir das in Kanada oder sonstwo tun. Kündigen muss ich sowieso. Da ich ein halbes Jahr (zum Monatsende) Kündigungsfrist habe, kann ich es auch nicht zu lange hinauszögern. Denn spätestens ein Jahr nach dem Medical muss man durch eine Einreise in Kanada seine PR aktivieren, sonst verliert man den Status. Bedeutet, wir müssten spätestens vor dem 14. Mai 2019 in Kanada einreisen. Das ergibt Ende Oktober als letztmöglichen Kündigungstermin. Und das ist ja auch nicht mehr so lange hin.

Spring, wenn Du leben willst

Da kommt mir folgende Geschichte in den Sinn:
Die Feuerwehr wird zu einem brennenden Haus gerufen. Die Flure und der Eingang stehen lichterloh in Flammen. Kein Durchkommen mehr. Am Fenster des ersten Stock steht ein Junge. Er weiß, dass er durch den Flur nicht mehr nach unten kommt. Während die Feuerwehrleute noch beraten, wie sie ihn am besten rausholen, kommt der Vater des Jungen angerannt und beginnt selbst zu handeln. „Junge“, schreit er in Richtung Fenster, „ich bin hier! Spring!“ … „Ich kann nicht Papa, ich sehe nichts! Da ist überall Feuer und Rauch!“ – „Macht nichts, mein Junge. Ich sehe Dich! Spring!“
Der Junge vertraut seinem Vater, springt und wird so gerettet.

So kommen wir uns gerade vor. Wie der Junge am Fenster. Unsere Sicherheiten sind weggebrochen. Keine Leitplanken, kein sicherer Weg, kein bekanntes Terrain mehr. Und doch sollen wir springen.

Was kommt also als Nächstes?

  1. Ich werde meinen Job kündigen und hoffen, dass ich für den Rest der Kündigungsfrist freigestellt werde.
  2. Wir werden das Haus an Stellen renovieren lassen, wo es für den Verkauf nötig ist. Alles andere bleibt jetzt so, wie es ist. Wir werden es potentiellen Käufern ohnehin nicht komplett Recht machen können – also, love it or leave it.
  3. Das Haus wird von oben bis unten komplett geputzt. Das lassen wir aus Zeit- und Kraftgründen wahrscheinlich machen.
  4. Dann beginnen wir mit dem Hausverkauf. Bis jetzt ist noch nicht ganz klar, ob wir es privat annoncieren oder über einen Makler machen. Beides hat Vort- und Nachteile, aber ich muss da noch mal drüber schlafen.
  5. Parallel werde ich Verträge auf Kündigungsfristen prüfen, einen Ordner mit den wichtigsten Papieren anlegen, meine Kontakte, Steuererklärungen und sonstigen wichtigen Sachen sichern, die Arbeitsutensilien und wahrscheinlich auch das Firmenfahrzeug abgeben.
  6. Und Millionen anderer Sachen, die mir grad nicht einfallen, aber schon irgendwo auf einer Liste stehen.

Wenn dann mittendrin die Benachrichtigung zur Einsendung unserer Pässe kommt – umso besser. Dann müssen wir mit dem ganzen Kram nicht erst anfangen, sondern sind schon mittendrin. Sollte eine Ablehnung kommen – ja, auch das ist immer noch möglich – dann müssen wir umdenken. Zumindest das Haus werden wir dann weiterhin verkaufen. Eine andere Arbeit suchen kann ich dann immer noch.

Die Kündigung meines Jobs wird das Schwierigste werden. Eigentlich müsste ich nächsten Mittwoch, nach fast 6-monatiger Elternzeit, wieder anfangen zu arbeiten. Ich kann aber im Moment meine Frau und Kind noch nicht stundenlang jeden Tag alleine zu Hause lassen. Dafür reicht die Kraft bei beiden noch nicht aus. Drückt also bitte die Daumen, dass mein Status als Führungskraft wenigstens einmal zu etwas nütze ist und ich auf Grund meiner Position umgehend aus dem Dienst entfernt werde. Ich werde berichten.

4 Kommentare

  1. Luisa 8. September 2018 um 7:39 Uhr - Antworten

    Ich drücke die Daumen, dass es so läuft, wie ihr es gerne hättet. 😊 aber wie du schon sagst, so richtig viel passieren kann eigentlich gar nicht. Entweder ihr wandert aus oder ihr zieht innerhalb der EU um. Und gute Leute werden immer gebraucht, egal wo. 👍

    • Joe 9. September 2018 um 14:22 Uhr - Antworten

      Ja, Luisa, so ist es. Entweder wir bekommen unsere PR oder irgendwann fange ich eben an, mich woanders zu bewerben. Danke für’s Daumendrücken.

  2. Flori 8. September 2018 um 14:37 Uhr - Antworten

    Ich wuensche und hoffe, dass es nach deinem/euren Vorstellungen so laufen moege. Am Besten schnellstens einen positive Bescheid von den Kanadiern, damit ihr endgueltig planen koennt.

    • Joe 9. September 2018 um 14:23 Uhr - Antworten

      Danke Flori, wir hoffen das auch.

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