Der Sprachtest

Von |2018-07-11T14:56:44+00:00Januar 23rd, 2016|03: der Sprachtest|0 Kommentare

Der Sprachtest

Was war ich aufgeregt. Nach intensivem Lernen war heute nun der große Tag – der IELTS Sprachtest stand an. Schon gestern Abend waren Lilly und ich nach Berlin gefahren. Ich wollte gerne ausgeruht zum Test gehen und man weiß im morgendlichen Verkehr nie, was in Berlin alles an Staus entstehen kann. Untergekommen sind wir im Hotel „Nikolai Residence“ in Berlin Mitte. Dieses Hotel hat uns sehr gut gefallen. Klein, gemütlich, sauber. Die Nacht war -trotz des Feierabendbieres – recht unruhig. Immer wieder malte ich mir in Gedanken die Prüfungssituation aus. Dennoch erwachte ich einigermaßen ausgeruht.

Mit dem Aufstehen wurde ich ruhiger. Irgendwie schaffe ich es, mich vor solchen wichtigen Terminen dann doch zu fokussieren. Alle nicht wirklich wichtigen Tätigkeiten laufen fast nebenbei ab. Wir frühstückten von unserem Mitgebrachten und machten uns dann auf den Weg zum Prüfungsort. Die Prüfung fand im A&O Hotel Hauptbahnhof statt. Angekommen wurden wir gleich in die oberste Etage gebeten und es wimmelte dort schon von Leuten, die offensichtlich die Prüfung absolvieren wollten. Manche noch mit einem Vokabeltrainer in der Hand, blass und aufgeregt. Wie wir alle.

Registrierung

Man musste sich dann registrieren, dazu benötigte man die ausgedruckte Anmeldung von britishcouncil.org, aus welcher hervorging, dass man seine Prüfungsgebühr bezahlt hatte. Prüfungsgebühr war bei mir übrigens 230€. Dann musste man unterschreiben, dass man anwesend war und die Prüfungsbedingungen zur Kenntnis genommen und akzeptiert hat. Zu den Bedingungen schreibe ich gleich noch mehr. Sodann wurde von jedem Kandidaten ein Foto gemacht. Das dient zur Sicherheit, da es dem letztendlichen IELTS Dokument mit den Testergebnissen beigefügt wird. Dadurch kann man das Testergebnis noch schwerer manipulieren.

Natürlich fanden schon die Registrierung und die Fotosession in Englisch statt. Dadurch konnte man sich schon mal etwas daran gewöhnen. Natürlich hörte man mit einem Ohr genauer hin wie die anderen Kandidaten sprachen. Mann, da waren Leute darunter, ich dachte, dass ich niemals so sprechen würde. Auffällig war, dass sehr viele junge Leute anwesend waren. Ich war wohl schon einer der Ältesten.

Der Sprachtest - Prüfungsraum 1

Prüfungsraum 1

Der Test sollte um 10 Uhr beginnen und die Kandidaten wurden dann je nach zu absolvierenden Test in ihre Testräume geführt. Es gibt hier übrigens den „General Training“ (welchen ich gemacht habe) und den „Academic Test“, welcher hauptsächlich für Leute gedacht ist, die im englischsprachigen Ausland studieren wollen. Der Unterschied in den Tests liegt vor allem in den schriftlichen und Leseaufgaben. Beim Academic Test sind dort mehr studienbezogene Inhalte, wie Auswertung von Graphen, Diagrammen u.ä. enthalten.

Die Prüfungsräume waren sehr groß, links und rechts waren je eine Doppelreihe Tische aufgestellt mit jeweils 2 Tischen. Inzwischen waren alle Kandidaten eingetroffen und es müssen wohl um die 50 Leute gewesen sein, welche sich an diesem Tag zur Prüfung gemeldet hatten.

Prüfungsbedingungen

Die Prüfungsbedingungen sind sehr streng. Man darf nichts, aber auch gar nichts mit in den Prüfungsraum nehmen als seinen Ausweis/Reisepass und eine Wasserflasche. Die Wasserflasche muss durchsichtig sein und das Etikett muss entfernt worden sein, so dass der alte Trick, das Etikett abzulösen, hinten mit „Spickern“ zu beschriften und anschließend wieder aufzukleben, hier auch nicht funktioniert. Der Ausweis muss während der ganzen Prüfung sichtbar auf dem Tisch liegen bleiben und wird zwischendurch immer mal wieder von verschiedenen Leuten kontrolliert. Sprechen, abschreiben usw. sind strengstens verboten. Wenn die jeweilige Zeit einer Prüfung um ist, dann MUSS der Stift buchstäblich aus der Hand fallen. Die Zeit wird durch einen Mitarbeiter angesagt, es gibt Durchsagen 30 min, 15 min und 5 min vor Schluss und dann die „End of test“-Durchsage. Wer danach noch schreibt, wird gnadenlos von der Prüfung ausgeschlossen. So strenge Regeln hatten wir nicht mal beim Abi 🙂

Der Sprachtest - Prüfungsraum 2

Prüfungsraum 2 (hinter der Tür)

Wer zwischendurch auf die Toilette muss, sollte sich das gut überlegen. Die benötigte Zeit dafür geht a) von der Prüfung ab und b) wird man von einem Mitarbeiter auf die Toilette begleitet. Damit man dort nicht einen Spickzettel aus der Tasche zieht. All das weiß man natürlich vorher. Man hat sich ja vorbereitet. Und geht deshalb vor den schriftlichen Tests oder dann danach.

Ich suchte mir einen Platz am Gang, neben mir saß eine Dame, welche ich in Richtung Pakistan oder Indien einordnete. Auf dem Platz lagen einige Bleistifte und ein Radiergummi. Dann dauerte es noch eine Weile, denn in beiden Räumen wurden Lautsprecher mit einem tragbaren CD-Player (der war in meinem Raum) verbunden und es wurde ein Test gemacht, ob alle gut hören konnten. Und dann ging es los.

Test 1 – Hören

Dieser Test dauert 30 min. Man bekommt vorab einen Antwortbogen ausgehändigt, dessen 40 Fragen im Multiple Choice Verfahren ausgefüllt werden müssen. Dazu wird eine CD mit wechselnder Konversation (und wechselnden Akzenten!) abgespielt. Immer, wenn man meint im gesprochenen Text eine Antwort auf die Fragen verstanden zu haben, kreuzt man an. Die Herausforderung hierbei ist, dass man die Fragen lesen muss und gleichzeitig überlegen muss, ob im Hörtext die Antwort vorkommt. Dazu kommt, dass der Test mit zunehmender Zeitdauer immer schwerer wird; zuletzt gab es bei mir eine akademische Unterhaltung eines Profs mit zwei Studenten, in denen er Hinweise zur Anfertigung einer Studienarbeit gab.

Erschwerend kommt hinzu, dass im Text des Öfteren Synonyme für Wörter verwendet werden, die in den Fragen vorkommen. Ich habe das zu Hause sehr intensiv geübt. Trotzdem war ich sehr nervös, denn es geht am Prüfungstag echt schnell und man kann nicht noch einmal zurückspulen und den Text nochmal hören. Für mich war der Hörtest eigentlich mit der Schwerste. Beim Abgeben wusste ich nicht, ob ich den überhaupt bestanden hatte. Ich fühlte mich erbärmlich, denn die letzten Fragen hatte ich mehr mit Raten denn mit wirklichem Wissen beantwortet.

Test 2 – Lesen

Beim Lesetest kommt es darauf an, aus einem vorgegebenen Text Zusammenhänge zu erfassen und dann die Fragen im Fragebogen – wieder im Multiple Choice – zu beantworten. Ich hatte einen wissenschaftlichen Text über das Leben von Krokodilen und ihr Verhalten bei Temperaturunterschieden, Paarungsverhalten, Nahrungssuche usw. Die Fragen am Ende des Textes waren so angelegt, dass man selbst in der Antwort noch verwirrt werden konnte. Klangen doch einige Antworten sehr ähnlich und unterschieden sich nur in Nuancen voneinander. Man musste also auch hier aufpassen. Zeit für den Reading Test war 60 min. Ich war schon nach 50 min fertig und hatte so noch einmal Gelegenheit alles sehr genau zu kontrollieren. Hier hatte ich ein ziemlich gutes Gefühl. Das Lesen und Verstehen von Texten fällt mir aber auch nicht so schwer, da ich beruflich täglich englische Fachtexte lesen muss.

Test 3 – Schreiben

Auch vor diesem Test hatte ich ganz schön Respekt. Der Test dauert ebenfalls 60 min und man bekommt zwei Aufgaben. Wichtig ist in beiden Aufgaben, dass man eine Mindestanzahl von Wörtern schreibt (Teil 1 mindestens 150 Wörter, Teil 2 mindestens 250 Wörter, zusammen mehr als 400 Wörter). Weiterhin ist auf Gliederung, Rechtschreibung, Grammatik und verbindende Wortelemente zu achten. Außerdem bewerten die Juroren die Logik und den roten Faden Deiner Gedanken. Das ist ja schon in der Muttersprache schwer. Hier noch mehr.

Die erste Aufgabe war bei mir einen eher informal gehaltenen Brief an einen Freund zu schreiben, dem ich für seine Tochter eine Musiklehrerin zum Erlernen eines Instruments empfehlen sollte. Volltreffer! Da ich in meinem ersten Berufsleben Musiklehrer war, konnte ich hier aus dem Vollen schöpfen.

Die zweite Aufgabe war natürlich umfangreicher und lautete: „In unserer Zeit entstehen immer mehr Supermärkte an Randgebieten von Städten. Erörtern Sie, ob diese Entwicklung sinnvoll ist, wie sie sich auf den Einzelhandel in den Stadtzentren auswirkt und ob sie diese Entwicklung für gut oder schlecht befinden“. Oha. Nicht ganz so leicht. Aber immer noch besser, als über die „Nutzung von Stromtrassen vs. Einsatz von Kleinkraftwerken zu Hause“ zu schreiben. Diese Aufgabe hatte ein anderer Kandidat, wie er im Nachhinein vor der Tür berichtete.

Ich kam mit meiner Zeit gerade so hin. Und als das „End of test“-Signal erscholl, entdeckte ich doch tatsächlich einen „typo“, einen Rechtschreibfehler in meinem Essay. Statt „business“ hatte ich in der Aufregung „bussiness“ geschrieben. Und Rechtschreibfehler führen ja zu Wertungsabzug. Sollte ich tatsächlich noch schnell korrigieren? Die Versuchung war zu groß. Aber bevor ich noch zur Tat schreiten konnte und mir damit fast meine gesamte Prüfung versaut hätte, stand schon ein Mitarbeiter an meinem Platz und sagte: „Pencil down. Don’t even think about it!“ Was für ein Glück.

Test 4 – Sprechen

Nach den ersten drei Tests gab es erst einmal eine Pause, es war mittlerweile 12:45 Uhr. Die Pause war auch bitter nötig. Meine getreue Lilly hat die ganze Zeit in der Lobby des Hotels gesessen und mir die Daumen gedrückt. Es war so schön, dass sie mich begleitet hat. Ich habe eine tolle Frau!

Nun wurde die Reihenfolge der Kandidaten für den Sprachtest festgelegt. Kandidaten von außerhalb mit weiterer Anreise werden hierbei zuerst berücksichtigt, da sie ja noch den Heimweg antreten müssen. Ich hatte Glück und mein Sprachtest war auf 13:45 Uhr festgelegt worden. Nach einer kleinen Stärkung begab ich mich also wieder in das Obergeschoss und wartete darauf, von meinem Prüfer abgeholt zu werden. Dabei hat man natürlich Zeit, sich verschiedene Prüfer anzuschauen, die die Kandidaten vor einem abholen. Man kennt ja seinen Prüfer nicht und hofft, dass er (oder sie) einem auch sympathisch ist. Wobei das bei der Kürze des Sprachtests eigentlich keine Rolle spielt.

Ich bekam einen Mann als Prüfer, der sich selbst als Deutschen vorstellte, der jahrelang in Großbritannien gelebt hatte. Hhm, würde ich den denn verstehen? British Englisch ist nicht so meins und dann noch nicht mal native speaker? Die Bedenken waren umsonst. Der Mann sprach wie ein native und auch sein britischer Akzent hielt sich in Grenzen.

Teil 1 des Sprachtest war Small talk. Wie heißen Sie, wo kommen Sie her, was machen Sie beruflich, wie alt sind sie. Dann kam Aufgabe 2: ich bekam einen Zettel mit meiner Aufgabe und 1 min zum Vorbereiten. Meine Aufgabe lautete: „Please tell something about an impressive experience you´ve had in the past“. Wieder nicht schlecht. So konnte ich über unseren New York Urlaub mitsamt Helikopterflug über Manhattan berichten. DAS hatte uns wirklich beeindruckt.

Nach ca. 3 Minuten unterbrach mich der Prüfer und stellte dann noch einige Fragen. Ob es wichtig wäre Familie zu haben? Was wichtiger wäre, Familie oder Freunde? Wie oft unsere Familie sich treffen würde und ob das für uns wichtig wäre? So etwas in der Art. Und dann war es auch schon vorbei. Ich hatte den Test komplett absolviert.

Fazit

Der Sprachtest ist eine Herausforderung. Man sollte ihn daher nicht auf die leichte Schulter nehmen, selbst wenn man schon leidlich Englisch kann. Es soll Native Speaker geben, die diesen Test eher schlecht abschließen, weil sie meinen, dass ihnen als Muttersprachler hier nichts passieren kann. Das ist aber ein Irrtum. Mit einer guten und intensiven Vorbereitung ist der Test aber schaffbar. Wobei: man kann hier nicht durchfallen. Das Schlechteste, was einem passieren kann, ist eine niedrige Punktzahl. Die hat dann aber auf eine Immigration oder Studienerlaubnis erheblichen Einfluss.

Für meinen Teil war ich froh, als der Test vorbei war und auch ein bisschen stolz. Übrigens: Lilly hatte während meiner Prüfungen Zeit, den Gesprächen an den Nachbartischen im Foyer ausgiebig zuzuhören. Die Leute unterhielten sich sehr laut. Die allermeisten von ihnen machten den Test, weil sie auswandern wollten!

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