Der letzte Umzug

Der letzte Umzug lag noch gar nicht so lange zurück, im Sommer erst. Von Manitoba nach B.C. Und nun haben wir es noch einmal getan. Diesmal soll es aber der letzte Umzug für lange Zeit sein; zu unruhig das Ganze. Und kraftraubend.

Warum sind wir noch einmal umgezogen? Das gemietete Haus am Middleton Mountain war eigentlich ganz toll. Schöne Aussicht. Genug Platz. Gemütlich. Es hatte nur einen entscheidenden Nachteil: die Straße vor dem Haus. Hier brausten Tag und Nacht Autos vorbei und da es eine Straße mit relativ hoher Steigung war, röhrten die Motoren der Trucks umso mehr.

Wer die kanadische Leichtbauweise kennt, wird verstehen, was ich mit „als ob der Truck durch’s Wohnzimmer fährt“ meine. Zumal es hier keine Emissionsvorschriften gibt, die das Tunen und Aufbohren von Motoren verbieten. So kommt es, dass Pickups mit Auspuffrohren, deren Durchmesser größer als mein Handteller ist, ungestraft durch die Gegend donnern können.

Ein weiterer Umstand bewog uns, die Zelte am Middleton Mountain abzubrechen. Mehr ein glücklicher Umstand. Unser neues Haus stand plützlich zum Verkauf, in einer der schönsten Gegenden unserer neuen Heimatstadt und noch dazu bezahlbar. Eine Kombination, die hier so oft nicht vorkommt. Deshalb haben wir nicht lange gefackelt und ein „Offer“ auf das Haus abgegeben.

Ich muss mal kurz einschieben, wie ein Hauskauf in Kanada funktioniert. Der Verkäufer setzt mit seinem Makler einen Preis fest, den er gerne haben möchte. Der sogenannte „asking price“. Ein Kaufinteressent übermittelt über seinen Makler ein „offer price“. Gibt es mehrere Kaufinteressenten (wie bei uns auch), spricht man von einem „multiple offer“. Der Verkäufer entscheidet nun im ersten Schritt, mit welchem Bieter er die Verhandlungen fortsetzen will. Da entscheidet nicht nur die Höhe des Gebotes (meistens schon, aber eben nicht nur). Unsere Verkäufer sind Deutsche, vor Jahren hierhergezogen. Vielleicht hat es eine Rolle gespielt, dass wir auch Deutsche sind, dass die Vorauswahl auf uns gefallen ist.

Hat sich der Verkäufer entschieden mit wem er weiter verhandeln will, kommt meistens ein „counter offer“, also, der Verkäufer sagt: „Ja, ich will mit Dir verhandeln, aber Dein Angebot ist mir zu niedrig“. So war es auch in unserem Fall. Wir sind aber bei unserem offer geblieben und haben das counter offer abgelehnt. Mit dem Risiko, dass der Verkäufer sich einer anderen Bieterpartei zuwendet. Hat er aber zum Glück nicht gemacht und so haben wir uns auf den Verkaufspreis zu unserem offer geeinigt. Man einigt sich dann auf ein „completion und possession date“, also, wann der Verkauf fertiggestellt wird und der Besitz übergeht.

Der Notartermin findet kurz vor dem „completion und possession date“ statt und ist so wohltuend einfach. Keine ellenlangen Vertragsvorlesungen wie in D. Man unterzeichnet einfach zwei Dokumente, händigt den bankbestätigten Scheck mit der Kaufsumme aus und das war’s.

Insgesamt ist hier Kaufen und Verkaufen also sehr unkompliziert. Das Allermeiste läuft über den Makler.

Letzte Woche sind wir nun in unser eigenes Heim gezogen. Das hat noch mal richtig viel Kraft gekostet, da ich den Umzug so gut wie alleine bewerkstelligt habe. Hatte mir einen Anhänger bei U-Haul geliehen, für schmale $40 und das Allermeiste an einem Tag schon herübergeschafft. Am Mittwoch kam dann noch ein Freund mit einem Truck und hat mir geholfen, die schweren Sachen wie Schreibtisch und e-piano umzuziehen.

Natürlich wieder ein Haufen Kisten auszupacken und einzuräumen, aber die beste Ehefrau von allen hat das vorbildlich gemacht, so dass wir nie das Gefühl hatten, hier noch mit vielen Kisten kämpfen zu müssen. Anstrengend war jedoch, dass ich in dieser Woche 3 meiner Vorlesungen nicht live anschauen konnte und daher immer bis nachts um 3 Uhr die Recordings schauen musste. Und natürlich hatten wir am Donnerstag ein Assignment abzugeben und am Freitag wieder einen Test zu schreiben. Ich bin dankbar, dass das alles geklappt hat.

Nun ist bei uns auch der Winter eingebrochen. Weihnachten naht und die Häuser sind so herrlich verrückt geschmückt, kitschig, aber liebevoll. Dazu im nächsten Beitrag mehr.

6 Comments

  • Luisa

    Herzlichen Glueckwunsch zum Eigenheim in Kanada!!!!
    Ich mag zwar schon laenger hier sein, aber zum eigenen Grundstueck hab ich es noch nicht gebracht. 😉
    Alles Gute aus dem Norden,
    Luisa

    Reply
    • Joe Post author

      Hi Luisa,
      Danke. Du bist zwar schon länger hier, aber ich bin fast doppelt so alt wie Du, dementsprechend konnte ich auf mehr „Mitgebrachtes“ setzen. 🙂
      Aber mit dem Tiny House habt Ihr doch jetzt schon einen Anfang gemacht, das finde ich toll.
      Viele Grüsse aus dem Süden.
      Joe

      Reply
  • Nadine

    Herzlichen Glückwunsch zum Hauskauf! Schön, dass alles gut geklappt hat. Langsam bin ich der Überzeugung, dass nur in Nova Scotia alles etwas komplizierter ist… Nun wünsche ich Euch, dass Ihr Euch lange an dem neuen Haus erfreut und wir alle erstmal keine Kisten mehr ein- und ausräumen müssen. Uff.

    Reply
    • Joe Post author

      Danke, Nadine. Ja, hoffentlich ist es jetzt gut. Kompliziert ist es in BC trotzdem noch genug. 🙂
      Seid Ihr denn nun auch fertig mit dem Kisten ausraeumen?

      Reply
  • Aran

    Boa das ging aber flott!!! Herzlichen Glückwunsch,von Herzen!
    Freut uns das alles so gut geklappt hat!
    Euch alles gute auch weiterhin.
    Liebe Grüße
    Aran

    Reply
    • Joe Post author

      Hallo Aran,
      ja, das ging am Ende doch ganz schoen schnell. Wir waren selbst erstaunt, wie flott das vonstatten ging. Jetzt geniessen wir erst mal die Ruhe nahch den Sturm. Seid Ihr denn schon umgezogen?
      VG, Joe

      Reply

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.