Der Container ist da.

Nun gut, es ist nicht der Container, der heute angekommen ist, sondern nur unser Hausrat. Im Truck. Den Container mussten sie in Vancouver bereits aus-/umladen, da er ja nur gemietet war und sofort wieder befüllt und weiterverschifft wurde. Ich bin allerdings froh, dass es so gekommen ist. Denn ein Container hätte in unserer engen Straße gar keinen Platz gefunden.

Als Umzugsfirma war die Firma Relocately aus Berlin beauftragt. Im Großen und Ganzen kann man mit dem Service sehr zufrieden sein. Wir hatten den Einpack-Service am Auszugsort gewählt, weil wir durch unsere vorherige Abreise nach Amerika nicht in der Lage waren, alles am Umzugstag selber zu verpacken. Das wurde sehr ordentlich durchgeführt. Selbst die Fahrräder waren in dicker Folie eingewickelt, mein BBQ hatte noch etwas Asche vom letzten Grillen drin und die Sachen erreichten uns in einem insgesamt sehr ordentlichen Zustand.

Was wir als sehr angenehm empfanden, war die Möglichkeit, jederzeit online den Aufenthaltsort unseres Containers nachverfolgen zu können. Das war schon interessant zu sehen, welchen Weg das große Containerschiff nahm, um letztendlich in Vancouver als Bestimmungsort anzukommen. Die Clearance beim Zoll konnte ich dann glücklicherweise in der Zollstelle am Airport Kelowna, nur 35km von uns entfernt, durchführen. Das verlief völlig reibungslos, auch wenn die Packliste nur auf Deutsch war und ich erst einmal noch alles übersetzen musste. Der Zollbeamte war aber tiefenentspannt. Er schlug sogar vor, dass ich überall „Clothing“ hinschreiben sollte, wenn ich irgendein Wort nicht wüsste. War aber nicht nötig. 🙂

Wohin mit allem?

Nun ist unser Umzug aus Deutschland auch logistisch komplett abgeschlossen. Alles, was wir mitnehmen wollten, hat den Weg hierher auch (fast) unbeschadet überstanden. Nachdem wir uns im letzten halben Jahr aber quasi an ein minimalistisches Leben gewöhnt haben, hat uns die Zahl der heute ausgeladenen Kartons doch eher überwältigt und erschlagen. So viel, was wir gar nicht vermisst haben. So viel, was uns sinnlos erscheint, als dass wir es weiter zu Hause horten wollen. Die beste Ehefrau von allen und die liebreizende Tochter machten sich sogleich an´s Aussortieren. Wir wollen gar nicht erst wieder in die Versuchung kommen, die zwanzigste Vase oder einen Haufen Bücher in die Regale zu stellen. Ist das Haus leer, lenkt Dich weniger ab. Die Gedanken werden freier.

Ehrlich gesagt, es lebt sich viel leichter ohne viele Dinge. Jedes Teil, jedes Kleidungsstück, jedes zusätzliche Stück Besitz nehmen Dich in Anspruch und lenken vom Wesentlichen ab. Das ist, in einem Wort, ZEIT:

  • ZEIT für die Familie
  • ZEIT für Begegnungen mit anderen Menschen
  • ZEIT für das Erleben und Erkunden der Natur
  • ZEIT zum Lieben, Lachen und Freuen
  • ZEIT zum LEBEN

Auch in dieser Hinsicht hat sich die Auswanderung also gelohnt: wir haben mit dem Weggang aus Deutschland nicht nur die Chance erhalten, ein anderes Land und eine andere Kultur kennenzulernen, sondern gleichzeitig auch die Möglichkeit, unsere eigene Lebensweise zu hinterfragen und neu auszurichten. Wir können jedem nur empfehlen, einmal innezuhalten und zu überlegen, ob eine Neuausrichtung Sinn macht. Dazu muss man ja nicht auswandern. Wir können auf jeden Fall sagen, dass es uns sehr bereichert, alle Bereiche unseres Lebens auf den Prüfstand zu stellen und in Teilen neu zu justieren. Es regt die Phantasie an, man lernt wieder neu dazu und am Ende macht es auch viel Spaß, sich Stück für Stück ein neues Lebensgefühl zu erarbeiten.

2 Comments

  • Reisezottel

    Schön, dass jetzt alles heile angekommen ist! War die Zeit mit den Söhnen schön, sind sie gut wieder zurück gekommen?

    Da wir gerade das ziemlich zugemüllte Haus meiner leider verstorbenen Schwiegermutter ausmisten müssen, verstehe ich Eure Räumungsaktion sehr gut. Wir sind aufgrund dessen auch bei uns dabei, alles, was man schon lange nicht mehr in der Hand hatte, wegzuwerfen – das ist ungemein befreiend.

    Viele Grüße und alles Gute weiterhin für Euch

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    • Joe Post author

      Danke für die Grüße und ja, Du hast recht – das Ausmisten ist befreiend. Habe gerade wieder eine ganze Ladung Klamotten, die ich in den Spendencontainer geben will. Wir haben immer das Gefühl, dass wir erst wieder aufatmen können wenn wir all das viele Zeug nicht mehr im Haus haben. So denkt man ständig daran, was man alles noch wegräumen muss.

      Viele Grüße, Joe

      Reply

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