Back2School – zurück zur Schule

Zurück zur Schule – damit ist in unserem Leben der kanadische Alltag eingekehrt. Seit 3. September und nach fast 8 Monaten Abstinenz besucht die beste Tochter wieder die Schule. Damit ist es nun auch für uns vorbei mit langem Ausschlafen. So schön die Zeit des langen „Quasi-Urlaubs“ auch war, es fühlt sich richtig an, wieder in einem geregelten Tagesrhythmus zu sein.

Die Schule stand für unsere Tochter nach kurzer Internetrecherche schon von Anfang an fest. Die „Vernon Secondary School“, kurz „VSS“ genannt, hatte es ihr gleich angetan. Was auch immer ihren Entschluss, diese Schule besuchen zu wollen, begünstigt hat, werden wir wohl nicht herausbekommen.

Zurück zur Schulel - Vernon Secondary
Vernon Secondary School

Eine kurze Inspektion der Schule von außen bereits im Juni bestätigte sie nur. Modernisiert und mit einem großen Schulcampus versehen, machte sie einen angenehmen Eindruck. Zudem ist die VSS nicht weit von uns gelegen, von unserem Balkon aus können wir sie sogar sehen.

Schule ist hier anders

Schule läuft hier etwas anders als in Deutschland. Man geht in die Schule, in deren „catchment area“, also Einzugsgebiet man liegt. Wohnt man außerhalb des Einzugsgebietes einer bestimmten Schule, wird es schwer, in diese hineinzukommen. Daher suchen sich hier viele Leute den Wohnort nach dem Ruf der Schule aus. Wir hatten Glück, unsere Straße liegt gerade noch im Gebiet der VSS. Daher meldeten wir uns zu Beginn der Sommerferien gleich in der Schule an. Neben den üblichen administrativen Prozessen hatten wir auch ein Gespräch mit dem Principal (Schulleiter), der uns sehr freundlich empfing. Nur, eine Entscheidung in welche Klasse unsere Tochter kommen würde, konnte er uns nicht gleich mitteilen. Diese würde im School Council getroffen, das erst am Ende der Ferien tage.

Am 30. August, also 4 Tage vor Schulbeginn, hatten wir dann ein Gespräch mit der Schulberaterin. Unsere Tochter wurde in die 10. Klasse aufgenommen. Deutschland hatte sie mit der 8. Klasse verlassen. Also ein Jahr übersprungen. Uns war es recht, denn so würde sie mit Gleichaltrigen in eine Klasse kommen. Das Schuljahr besteht aus zwei Semestern, von September bis Januar und von Januar bis Juni. In jedem Semester haben die Schüler (oder students, wie man hier sagt) 4 Fächer, täglich von 08:30 – 15:00 Uhr. Im ersten Semester sind das Mathematik, Career Life, Food und Sport. Im zweiten Semester dann English, Science, Social und Arts. Bei der Graduierung, also dem High School Abschluss, muss sie dann noch ein Examen in der „Fremdsprache“ Deutsch ablegen. Da sie native german speaker ist, braucht sie die entsprechenden Kurse nicht zu besuchen, sondern schreibt nur die Prüfung, die sich etwa auf dem Sprachniveau eines Drittklässlers bewegt. 🙂

Der erste Schultag

Natürlich waren wir am ersten Schultag alle mächtig aufgeregt. Unsere Tochter am meisten. Am Ende war der Tag für sie eher ernüchternd – sie kannte natürlich niemanden und kam sich unter den etwa 1000 Schülern eher verloren vor. Etwas enttäuscht berichtete sie, dass sie den ganzen Tag nur Deutsch gesprochen hat, dank einiger deutscher Austauschschüler, die in ihren Kursen waren und von kanadischer Schule überhaupt keinen Plan hatten. Zum Glück fand sie jedoch in den folgenden Tagen Anschluss an kanadische Schüler. Nun ist die erste Schulwoche rum und die Anspannung hat sich merklich gelegt. Und sie kann jetzt anfangen, den Unterricht zu genießen. Mathe auf sehr erträglichem Niveau, etwa 7. Klasse. Food – hier wird kochen gelernt, was das Zeug hält. Career Life – wie plane ich meine Karriere? Wie gebe ich meine Steuererklärung ab und wie erhält man ein Darlehen? Und dann natürlich Sport. Das wird hier ganz groß geschrieben. Alles in allem überhaupt kein Vergleich mit deutscher Paukerei und Quälerei der Schüler mit Tests, Klassenarbeiten, stundenlangen Hausaufgaben. Entspannt.

Zurück auf die Schulbank

Auch ich bin seit 3. September zurück auf der Schulbank. In Ermangelung eines sinnvollen Jobangebotes und vor allem, weil ich wegen unserem Kleinen lieber von zu Hause arbeiten möchte, haben wir uns nach reiflicher Überlegung entschlossen, dass ich noch einmal ein Studium absolviere. Das Ziel ist, ein Diplom des Ashton College Vancouver zu erhalten, welches mich berechtigt, nach einer weiteren Prüfung bei der Bundesbehörde IRCC die Lizenz zum Registered Immigration Consultant zu erhalten. Wie meine Webseite hier schon erahnen lässt, beschäftigt mich dieses Thema seit geraumer Zeit. Als Immigration Consultant kann ich mein Interesse zum Beruf machen. Zudem habe ich ja selber Erfahrung mit dem Thema Immigration und weiß, wie man sich fühlt, wenn man durch diesen Prozess geht. Nun heisst es aber erst einmal, mächtig zu lernen. Immigration Consultants sind halbe Rechtsanwälte, spezialisiert auf Immigration Law (ohne, dass sie die Bezeichnung Rechtsanwalt führen dürfen) und entsprechend ist der Studieninhalt. Texte, gespickt mit rechtlichen Formulierungen, die ich vorher noch nie gehört habe. Ich merke aber schon nach einer Woche, dass sich mein Wortschatz bereits erheblich erweitert hat.

Dank Online-Verbindung kann ich bequem von zu Hause aus studieren. Es geht nun Schlag auf Schlag: 10 Module müssen bis nächsten März absolviert werden und ich habe im Schnitt mindestens einmal im Monat ein Examen, daneben noch Zwischentests, die in die Gesamtnote einfließen. Der erste Test steht für nächsten Dienstag, 10. September an. Und dann gibt es noch eine Gruppenarbeit, die ich mit einem Kommilitonen aus Toronto durchführe.

Langeweile kommt also im Moment nicht auf. Abends und Nachts wird gelernt und tagsüber wartet der kleine Racker, dass ich mich mit ihm beschäftige. Über den Fortgang des Studiums werde ich berichten.

1 Comment

  • Jacky

    Wieder so ein schöner Bericht,der uns Mut macht unseren Weg weiter zu verfolgen.Ich freu mich sehr für deine Tochter und auch bei dir fühlt sich es richtig an ,du bist mit Herz und Seele dabei.

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