Achtung, Zecken!

Wer eine Phobie vor Spinnen oder anderen Kriechtieren hat, liest heute vielleicht besser nicht weiter?! Im heutigen Artikel geht es um ganz und gar nutzlose Viecher, die Zecken. Außer, dass sie sich bei Mensch und Tier hinterlistig und ohne spürbare Aktion in die Haut bohren und Blut saugen, sind sie zu nichts nütze. Oder kennt jemand einen natürlichen Fressfeind der Zecken?

Ausserdem ist seit langem bekannt, dass die quirligen Krabbeltierchen ernsthafte Krankheiten, wie zum Beispiel Borreliose, im englischen Sprachraum unter dem Begriff „lyme disease“ bekannt, übertragen. Und das ist dann kein Spaß. Das Gemeine an dieser Krankheit ist, dass es bis heute keine allgemeingültige medizinisch-technische Untersuchung gibt, die eine aktive Erkrankung sicher beweisen oder widerlegen kann. Es bleiben also nur langes Herumdoktern und die Hoffnung, eine richtige Diagnose für das sich Elendig-Fühlen zu bekommen.

Risikogebiet Manitoba

Was wir bisher nicht wussten ist, dass Manitoba mit einigen weiteren Gebieten in Kanada zu einem Hochrisikogebiet für Zeckenbisse zählt. Waren wir im Winter vom ewigen Frost gebeutelt der Meinung, dass nun nichts Schlimmeres mehr kommen könne, so mussten wir uns die letzten Tage eines Besseren belehren lassen.

Wieder einmal führte uns unser Weg an den schönen Lake Minnewasta, der mittlerweile in schönster Frühlings- und Frühsommerpracht grünt und blüht. Wir parkten an unserer bevorzugten Stelle und stießen gleich zu Beginn des Trailheads auf das nebenstehende Schild. Das war ja nun vorher noch nicht dort gewesen, da waren wir uns ziemlich sicher.

Nun gibt es die Warnungen vor Zeckenbissen ja auch in Deutschland. Bisher haben wir dort aber nie etwas von Zecken mitbekommen. Also machten wir uns sehr sorglos auf den bekannten Pfad, lungerten einige Zeit im hohen Gras herum und genossen die Zeit in der warmen Sonne.

Warnung vor Borreliose
Warnung vor Borreliose

Bis die beste Ehefrau auf einmal einen erschrockenen Schrei ausstieß. Etwas war ihr am Hals entlang gekrabbelt. Mit einer Reflexreaktion wischte sie es hinweg, so dass niemand sah, was es denn gewesen wäre. Natürlich stehen Männer über dem etwas schreckhaften Gehabe und so brabbelte ich etwas von „…soll sich nicht so anstellen, man muss doch nicht gleich hysterisch werden..“, was mir außer ein paar (zu recht) ärgerlichen Blicken auch nichts einbrachte.

Zecke am Schuh
Zecke am Schuh

Kurze Zeit später war ich es, der zwar nicht hysterisch, aber doch aktiv wurde: am Hals des Kleinen krabbelte … richtig, eine Zecke. Aber, nicht irgendeine. Die größte Zecke, die ich jemals zu Gesicht bekam! Die hier verbreiteten Spezies, nämlich die Wood ticks und die black legged ticks, sind einfach mal 3-4 mal so groß wie ihre niedlichen Verwandten in Deutschland. Und da haben sie noch kein Blut gesaugt.

Von da an war es um die nachmittägliche Ruhe geschehen. Immer wieder hatte man das Gefühl, dass etwas krabbelt und meistens täuschte man sich nicht. Allein im Wald wischten wir so schon mindestens 4 Zecken von unseren Körpern.

Das große Krabbeln

Aber es sollte noch schlimmer kommen. Beim Gute-Nacht-Sagen für den Kleinen, das Zimmer war verdunkelt, spürte ich auf einmal etwas Merkwürdiges meinen Brustkorb hochkrabbeln. Schnell in’s Bad und das T-Shirt ausgeschüttelt – richtig. Wieder so ein Vieh. Am nächsten Tag entdeckten wir 2 weitere Exemplare an der Wand im Eingangsbereich. Und als ich am Mittag meinen Laptop öffnete, kroch doch so ein liebes Tierchen von meiner Tastatur! Wahrscheinlich war es so schön warm dort. Und zu guter Letzt musste ich tatsächlich ein witziges Kerlchen von meiner Hüfte entfernen, der sich mit seinen Beißern dort schon verankert hatte. Nicht lustig. Es gelang mir, ihn ohne Verlust seines Kopfes zu entfernen und eine gute Desinfektion, erst äußerlich, dann innerlich, stellte sicher, dass keine Nebenwirkungen zu erwarten sind. Zumindest kann ich bis heute noch klar denken.

Schön sehen die Monster-Zecken nicht aus und das Schlimmste ist, sie scheinen unkaputtbar zu sein. Tritt drauf und sie bewegen sich weiter. Versuche sie, in Toilettenpapier gewickelt zu zerquetschen – da lachen sie wohl bloß drüber und genießen die Massage. Spüle sie im Waschbecken herunter und sie haben eine Achterbahnfahrt im Sewer Theme Park gewonnen, sterben werden sie davon nicht.

Als die ultimative Tötungsmethode stellte sich letztendlich ein großer Schluck meines Alberta-Vodka heraus. Schade um das schöne Gesöff, aber die Zecken rafft es in Sekunden dahin. Auch auf die Gefahr hin, als Tierquäler an den Pranger gestellt zu werden, das ist effizient. Und vielleicht sterben sie ja ein bisschen besoffen.

Zecke
Black legged tick

Wie auch immer, die Angst vor neuerlichen Zeckenattacken geht seitdem immer mit spazieren. Dass sie wohlbegründet ist, zeigt sich darin, dass wir nach fast jeder Runde ungebetenen Besuch aus unseren Klamotten schütteln. Und uns schüttelt es auch.

2 Comments

  • Lia

    Verbrennen geht auch super! So mach ich es zumindest immer, wenn ich wieder eine bei unserem Hund gefunden habe😁

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    • Joe Post author

      Hm…Feuer machen im Haus? Schwierig bei uns. Oder mit einer Pinzette über der Kerze rösten? Mit Feuer wird das bei uns irgendwie nichts. Aber danke für den Tipp. Vielleicht haben wir ja irgendwann wieder mal einen Kamin, da kommen die dann hinein, um etwas zur Erderwärmung beizutragen. 🙂

      VG, Joe

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