Abschied nehmen

Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.

Dietrich Bonhoeffer

Ein Abschied tut weh. Ein doppelter Abschied umso mehr. Wir mussten gleich zweimal Abschied nehmen, nachdem uns unsere beiden Jungs mit ihren Freundinnen, zeitlich etwas versetzt, in British Columbia besucht haben.

Die Vorfreude auf das Wiedersehen nach fast einem halben Jahr Trennung war riesengroß. Über die Probleme bei der Buchung der Flüge hatte ich ja bereits berichtet. Auch so blieb uns nichts erspart: Sohn 1 kam erst nach einer 24-stündigen Verspätung hier an, weil die Lufthansa es nicht geschafft hatte, den Flieger so pünktlich nach München zu bringen, dass sie ihren Anschlussflug nach Kanada noch bekommen hätten. Das war natürlich erst mal eine Enttäuschung, weil wir uns ja schon auf das Abholen vom Flughafen gefreut hatten. Die jungen Leute haben es aber mit Humor genommen und im Nachhinein betrachtet, hat es ihnen durch die geänderte Flugverbindung vielleicht auch den Jetlag etwas erträglicher gemacht. Und dann ist ja noch die Sache mit den Fluggastrechten….vielleicht bekommen wir ja noch eine Entschädigung für die Verspätung.

Mit beiden Söhnen und Freundinnen hatten wir eine tolle Zeit. Natürlich haben wir versucht, so viel wie möglich zu unternehmen. Wohl wissend, dass es bei der Kürze der Zeit nur ein Bruchteil dessen sein konnte, was man sonst so hier in der Gegend alles unternehmen kann. Aber am Ende war das Wichtigste ja das Zusammensein. Sich mal wieder in den Arm nehmen zu können und einfach das Gefühl zu genießen, dass man die Kinder wieder „in Reichweite“ hat.

Die jeweils 15 Tage, die beide hier waren, vergingen wie im Flug. Ist man in der ersten Woche noch frohgemut, weil man ja „noch so lange Zeit hat“, kippt das Ganze dann in der zweiten Woche. Der vermaledeite Abschied rückt näher und mit ihm steigt auch der Kloß im Hals. Da hilft es auch nichts, wenn man versucht das Ganze von der rationalen Seite zu betrachten. Es sind und bleiben eben die eigenen Kinder und auch wenn man weiß, dass sie ihr eigenes Leben haben, ist man immer so verrückt selbstromantisch und möchte sie am liebsten dabehalten. Aber Sohn #1 muss erst noch sein Studium in Deutschland beenden….

Work and Travel angepeilt

Immerhin: Sohn 2 und Freundin haben Nägel mit Köpfen gemacht und noch während sie hier waren ein Work and Travel Visum beantragt. Die Bewerbung dafür auszufüllen dauerte keine 20 Minuten. Laut der IEC Webseite von Canada, auf der das Programm beschrieben ist, standen die Chancen eine „Invitation to Apply“ zu erhalten auch sehr gut. Nun sind wir in der Situation, dass die Freundin bereits eine Einladung erhalten hat (nach 4 Tagen!), unser Sohn #2 aber noch darauf wartet. Also hoffen und beten wir, dass auch er in naher Zukunft noch eine Einladung erhält. Oder wir müssen einen anderen Weg finden, wie er hierher kommen kann.

So ging der Monat August für uns sehr ausgefüllt vorüber und wir hoffen, dass auch die Kinder etwas Bleibendes von ihrem Besuch bei uns hier mitgenommen haben. Wir gehen jetzt an Orte, mit denen uns eine Erinnerung an sie verbindet – sei es am Kal Beach, am Rattlesnake Point oder unserem geliebten BX-Trail. So ist dem Abschied auch der Stachel genommen: im Herzen hat sich eine stille Dankbarkeit breitgemacht, dass wir die Kinder hier haben konnten und schöne Erinnerungen (und viele Photos!) geblieben sind. Und da die Hoffnung bekanntlich ja zuletzt stirbt, blicken wir nach vorn und freuen uns darauf, dass wir uns in hoffentlich nicht zu ferner Zukunft wiedersehen. Dann vielleicht sogar für immer.

Und der Abschied, der elende, würgende Henker, schafft es nicht, uns kleinzukriegen. Die Liebe ist stärker.

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